Rund ein Viertel der kommunalen Haushalte profitiert der Untersuchung zufolge nämlich nicht vom wirtschaftlichen Aufschwung - im Gegenteil. Gerade in Brandenburg verschärft sich die Notlage der kommunalen Haushalte sogar noch.

Abzulesen ist das an den Kassenkrediten - vergleichbar mit den Dispokrediten in Privathaushalten. Die stiegen laut Studie seit 2012 von 47,4 auf 49 Milliarden Euro deutschlandweit. Kassenkredite brauchen die kommunalen Haushälter, um flüssig zu bleiben, bis Steuer- oder andere Einnahmen in der Stadtkasse eintrudeln.

Als Hauptgrund für die wachsende Zahl der Kassenkredite sehen die Experten hohe Wohnkosten für Hartz-IV-Bezieher und geringere Steuereinnahmen. Dabei verteilt sich die Hälfte aller Kassenkredite in Deutschland auf nur 25 Städte. Seit 2008 gelang es keiner dieser Städte aus eigener Kraft, das Minus bei den kurzfristigen und damit teuren Krediten abzubauen. Oberhausen, Pirmasens, Kaiserslautern, Hagen und Remscheid führen die Liste mit den höchsten Kassenkrediten pro Einwohner an. Die Stadt Essen muss mit 2,2 Milliarden Euro viermal mehr Kassenkredite bedienen als alle Kommunen in Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen zusammen.

"Den von dieser Entwicklung betroffenen Kommunen ist es aus eigener Kraft nicht möglich, entscheidend gegenzusteuern. Sie brauchen eine strukturelle Entlastung durch den Bund und die Länder bei den Sozialausgaben", fordert Helmut Dedy, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags.

Kirsten Witte, Kommunalexpertin der Stiftung, verweist vor allem auf die regionalen Unterschiede, etwa zwischen Brandenburg und Sachsen: "Für die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse ist diese Entwicklung bedrohlich. Die Unterschiede zwischen den Regionen werden fortgeschrieben."