"Ich bin davon ausgegangen, dass die Landtagsabgeordneten gemeint haben, dass wir außen ein Stadtschloss und einen Landtag im Innern bekommen."
 Der Vorsitzende des Vereins Potsdamer Stadtschloss, Michael Schöne


Der Streit über die Gestaltung des neuen Landtagsgebäudes auf dem Gelände des früheren Potsdamer Stadtschlosses wird schärfer. Eine Woche vor der internen Vorstellung der Entwürfe der sechs ausgewählten Konsortien warnten gestern die Potsdamer Vereine Potsdamer Stadtschloss und Mitteschön vor einer Bausünde im Zentrum der Landeshauptstadt. "Es verdichtet sich der Eindruck, dass der Landtagsbeschluss unterlaufen werden soll", sagte der Vorsitzende des Stadtschloss-Vereins, Michael Schöne. Ziel bleibe eine Wiederherstellung der historischen Fassade. Finanzminister Rainer Speer (SPD) warnte dagegen vor wilden Spekulationen.
Anlass der Debatte sind angebliche Äußerungen des Landtagspräsidenten Gunter Fritsch. Demnach trage keiner der eingereichten sechs Entwürfe für den Neubau die historische Fassade des Schloss-Architekten Knobelsdorff. Nur die Nordseite gleiche dem Original. Fritsch versicherte daraufhin, es werde keinen reinen Zweckbau mit durchgehender Glasfassade geben. Er rechne aber nicht mit 1:1-Entwürfen einer Knobelsdorff-Fassade.
"Wir werden keine Spenden Sammeln und auch keine zur Verfügung stellen, wenn das Gebäude nicht dem Stadtschloss gleicht", kündigte Schöne an. Der Wettbewerb und der Bebauungsplan ließen zu viel Spielraum, von Original abzuweichen. Besser wäre die Vorgabe der Fassade und ein reiner Wettbewerb für die Innengestaltung gewesen. Wenn der Bau nach und nach mit den Verzierungen und dem Figurenschmuck ergänzt werden könnte, wäre das auch in Ordnung.
Der stellvertretende CDU-Fraktionschef Wieland Niekisch erinnerte an eine repräsentative Umfrage, wonach sich 63 Prozent für einen Nachbau des Schlosses auf dem Alten Markt aussprechen. Ein modernes Landtagsgebäude sollte lieber andernorts stehen, meinten 73 Prozent. Zudem beklagte der CDU-Politiker. "Wenn das Projekt in der Krise bleibt, dann wird es ein Koalitionsthema." Speer teilte mit, dass er als Chef der Vergabestelle die Entwürfe selbstverständlich schon gesehen habe. Entscheidend sei, dass die Vertraulichkeit gewahrt bleibe. "Die derzeitige Stimmungsmache gegen den Landtagsneubau auf der Grundlage von Gerüchten, Mutmaßungen und Unterstellungen schadet dem Projekt." Der Vorwurf, der Landtagsbeschluss solle unterlaufen werden, sei "völlig unzutreffend".
Am 28. November werde das Vergabegremium über die Entwürfe beraten und dann mit den Konsortien verhandeln. Die Entscheidung soll im Frühjahr 2008 fallen. Bis dahin ist strengste Vertraulichkeit vereinbart. Das alte Hohenzol lern-Schloss war nach Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg 1959/60 abgerissen worden. Für den Landtagsneubau sind 85 Millionen Euro veranschlagt. Baubeginn soll 2009 sein, die Fertigstellung 2011.