In der mit den Ermittlungen im Fall des sogenannten Maskenmanns betrauten Sonderkommission "Imker" herrschte offenbar totales Chaos. Das ist das Ergebnis einer im Sommer eingerichteten internen Untersuchungsgruppe des Innenministeriums, von dem Innenstaatssekretär Matthias Kahl (SPD) am Donnerstag im Innenausschuss des Potsdamer Landtags berichtete.

Während des Prozesses gegen einen 47-jährigen Mann, der wegen der Entführung eines Bankiers und mehrerer Angriffe auf Millionärsfamilien zu lebenslanger Haft verurteilt worden war, hatten mehrere Ermittlungsbeamte berichtet, sie seien bei den Ermittlungen durch Vorgesetzte, etwa den damaligen Polizeipräsidenten Arne Feuring, behindert worden. Zudem hätten sie nicht frei ermitteln dürfen. Diese Vorwürfe wurden von der internen Untersuchungsgruppe zwar nicht bestätigt. Doch in seinem Bericht sprach Kahl von "teils erheblichen Defiziten" in Personalführung und Kommunikation und einer "informellen Organisationsstruktur, die Konflikte und Dissenzen begünstigte."

Es habe "unangemessene Leitungsspannen bei Führungskräften" gegeben. "Die Aufgabe, die Rolle, die Befugnisse und Kompetenzen einiger Führungskräfte waren völlig unklar", so Kahl wörtlich. "Typische Leitungsaufgaben wie Anleiten, Delegieren, Motivieren und Kontrollieren wurden mur mangelhaft wahrgenommen." Zudem habe es persönliche Konflikte zwischen den Beamten gegeben. Einen kollegialen und vertauensvollen Umgang habe es in der Soko ebenso wenig gegeben wie ausreichende Kenntnisse der Regeln und Vorschriften der Brandenburger Polizei.

Die Bilanz des Innenstaatssekretärs war dementsprechend ernüchtert. "Wir brauchen eine neue Führungskultur", sagte Kahl im Ausschuss. Die Kommission empfehle eine kritische Überprüfung der Struktur der Kriminalpolizei. Die Struktur von Sonderkommissionen sollte immer an die Struktur der Kriminalpolizei angelehnt sein. Nötig könnte auch die Schaffung einer Innenrevision im Polizeipräsidium sein.

Abgeordnete der Opposition jedenfalls fühlten sich am Donnerstag im Innenausschuss in ihrer Kritik an der Soko bestätigt. Die Innenpolitikerin der Grünen, Ursula Nonnemacher, sprach von "schwersten Defiziten", die von der Untersuchungsgruppe festgestellt wurden, der CDU-Landtagsabgeordnete Sven Petke von "drastischem Führungsversagen".

Der innenpolitische Sprecher der CDU, Björn Lakenmacher, forderte schließlich personelle Konsequenzen für die betroffenen Beamten - und zwar auch für diejenigen "kritischen Polizisten", durch deren Kritik die Untersuchungen erst ins Rollen gekommen seien. "Heute wissen wir, diese Kritik war berechtigt", sagte Lakenmacher. "Diese Beamten haben viel einstecken müssen: Sie brauchen eine dienstliche und menschliche Rehabilitation."