Eine Selbstanzeige könne für Wulff ein „Selbstreinigungsverfahren“ sein.

Nach Artikel 40 der niedersächsischen Landesverfassung können Mitglieder der Regierung Vorwürfe eines Verfassungs- oder Gesetzesverstoßes vom Staatsgerichtshof in Bückeburg überprüfen lassen. Dies gilt auch für ehemalige Regierungsmitglieder. Einen möglichen Rechtsverstoß hat der frühere niedersächsische Ministerpräsident Wulff aber bislang nicht eingeräumt.

Nach Informationen der „Bild“-Zeitung war der Aufsichtsrat der staatlichen baden-württembergischen BW-Bank nicht über den Kredit unterrichtet, mit dem Wulff in seiner Zeit als Ministerpräsident in Hannover sein Hausdarlehen von der Unternehmer-Gattin Edith Geerkens abgelöst hat.

In einer Erklärung vom 15. Dezember hatte der Bundespräsident mitgeteilt, der Vertrag sei in einen Hypothekenkredit mit üblichem Zins umgewandelt worden. Dagegen berichtete die „Welt am Sonntag“, der neue Vertrag gelte erst ab Januar 2012. Vor diesem Hintergrund forderte das frühere stellvertretende Mitglied des BW-Bank-Aufsichtsrats, Michael Kienzle, rasche Aufklärung der Darlehenskonditionen. „Die BW-Bank muss ganz schnell klarstellen, unter welchen Kriterien sie den Kredit vergeben hat“, sagte er der „Bild“. Von der BW-Bank war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Der baden-württembergische SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel will den Kredit beim Treffen des Kontrollgremiums der BW-Bank thematisieren. Er gehe davon aus, dass der Vorstand in der nächsten Sitzung des Gremiums über die Begleitumstände des Immobiliendarlehens informiere, sagte Schmiedel am Dienstag in Stuttgart. Der Fraktionschef – Mitglied des Kontrollgremiums – sprach sich ferner dafür aus, dass die bankinterne Revision prüfen solle, ob bei der Kreditvergabe die internen Vorschriften eingehalten wurden. Dies sei notwendig, um Spekulationen zu beenden, dass es Sonderkonditionen für Wulff gegeben habe. „Solche Spekulationen schaden der Bank.“

Die BW-Bank gehört zur Landesbank Baden-Württemberg. Diese ist in Staatsbesitz. Nach Recherchen des Magazins „Der Spiegel“ bekam Wulff von der Bank einen Kredit gewährt, bei dem die Zinsen zunächst lediglich bei 0,9 bis 2,1 Prozent lagen – und damit um die Hälfte niedriger als bei der Immobilienfinanzierung normaler Kunden.