Kaum ein Politiker wurde von Anhängern so verehrt und von Gegnern so verabscheut.

25 Jahre nach dem Tod von Franz Josef Strauß ist ein fast vergessenes Detail aus dem Leben des einstigen CSU-Chefs wieder in den Fokus gerückt: Er war meist bewaffnet. Das berichtete der ehemalige Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) bei einer Gedenkfeier in der Hanns-Seidel-Stiftung in München.

Strauß sei durch schreckliche Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg geprägt worden und habe später in der Regel eine Pistole getragen: "Und selbst wenn er bei meiner Frau Karin und mir zu Hause zu Gast war - das kam relativ häufig vor - setzte er sich immer so, dass er die Türe im Blick hatte. Ich sehe ihn noch da sitzen, mit seiner Pistole in der Ecke des Zimmers", erzählte Stoiber. "Das ist wohl nur für denjenigen nachvollziehbar, der selbst Lebensgefahr erlitten hat." Es war teilweise die Zeit des Terrorismus und Strauß einer der am stärksten gefährdeten Politiker der Bundesrepublik.

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) legte am Donnerstag in der Familiengruft von Strauß in Rott a. Inn (Landkreis Rosenheim) einen Kranz nieder, wo "FJS" am 8. Oktober 1988 beigesetzt worden war. Gebirgsschützen feuerten Salut. Seehofer würdigte Strauß als europäischen Staatsmann und politischen Visionär. "Aus tiefer Überzeugung hat Franz Josef Strauß gegen die deutsche Teilung und für die Wiedervereinigung des deutschen Volkes gekämpft", sagte Seehofer. "Der Tag der deutschen Einheit bleibt daher immer verbunden mit dem tiefen Dank an Franz Josef Strauß für seine Verdienste um unser Vaterland."

Allerdings hatte Strauß 1983 auch einen umstrittenen Milliardenkredit für die DDR mit eingefädelt, der nach Ansicht von Kritikern das SED-Regime länger am Leben hielt. Strauß starb am 3. Oktober 1988, zwei Tage nach seinem Zusammenbruch bei einer Jagd. 27 Jahre lang - von 1961 bis zu seinem Tod - war er Parteichef. 1980 verlor er als Unions-Kanzlerkandidat die Bundestagswahl gegen den Kandidaten der SPD, Helmut Schmidt.