Als kooperativ bezeichnete die Staatsanwaltschaft Cottbus das Verhalten der Mitarbeiter der Haasenburg-Heime in Jessern, Neuendorf (Dahme-Spreewald) und Müncheberg (Oder-Spree), als am Donnerstagmorgen Polizisten und Staatsanwälte vor der Tür standen. Die Beamten holten eine Vielzahl von Aktenordnern aus den drei Jugenhilfeeinrichtungen. Damit wollen sie Licht ins Dunkel vieler Vorwürfe gegen die Heime bringen. Insgesamt sechs Ermittlungsverfahren wurden nach Angaben der Cottbuser Staatsanwaltschaft inzwischen eingeleitet. Ein Verfahren gründet sich auf die Anzeige eines 19-jährigen ehemaligen Insassen, der ausgesagt hat, dass er in Jessern mindestens zweimal über längere Zeit an ein Bett gebunden wurde.

Inzwischen liegen drei weitere Anzeigen vor. Erneut geprüft werden auch zwei Todesfälle, die mehrere Jahre zurückliegen. Nach damals zeitnah vorgenommenen Untersuchungen der Staatsanwaltschaft soll es sich um einen Unfall und einen Suizid gehandelt haben. Die Ermittlungen richten sich nicht gegen die Haasenburg GmbH, sondern gegen namentlich noch nicht bekannte Mitarbeiter. Es geht dabei auch um Körperverletzung, Nötigung und Misshandlung Schutzbefohlener in Zusammenhang mit Vorfällen, die bis 2006 zurückreichen.

Hinrich Bernzen, Sprecher der Haasenburg GmbH, versicherte erneut, dass sich die Vorwürfe als haltlos herausstellen werden: "Wir begrüßen die Ermittlungen, nur so können die Vorwürfe wirklich aufgeklärt werden." Bisher, so beklagt Bernzen, habe es vor allem anonyme Beschuldigungen gegeben.

Die Haasenburg GmbH bietet auch eine geschlossene Unterbringung für Kinder und Jugendliche mit besonders schweren Erziehungs- und Entwicklungsproblemen an. Für jeden Einzelfall ist dabei ein richterlicher Beschluss notwendig. Das Angebot wird bundesweit genutzt.

Angesichts der schweren Vorwürfe gegen die Jugendhilfeeinrichtung erscheint ein aktuelles Problem der "Haasenburg" relativ klein. Wie die Polizei bestätigte, wird seit Mittwochmorgen nach drei Jugendlichen gesucht, die aus dem Heim in Neuendorf entwichen sind.

Die drei Jungen sollen sich nach RUNDSCHAU-Informationen mit dem Auto eines Betreuers davongemacht haben.