Beata Halicka gehört zu dieser neuen Generation. Die junge Historikerin schreibt ihre Habilitation an der Viadrina Universität in Frankfurt (Oder) über "den Kulturtransfer im Kreis Crossen im 20. Jahrhundert". Außerdem arbeitet sie an einem Stadtführer über Krosno Odrzansiek, der am 27. Mai um 17 Uhr im Schloss vorgestellt wird. Das Buch "Krosno Odrzanskie / Crossen an der Oder 1005-2005" wird in Deutsch und Polnisch erscheinen – ein Novum, beiderseits der Grenze. Im Zuge ihrer Forschungen hat die 33-Jährige mit vielen ehemaligen deutschen Bewohnern von Krosno gesprochen. "Es war eine völlig neue Erfahrung für mich, dass Menschen so an ihrer Heimat hängen können", berichtet sie. Ihre Thematisierung deutscher Schicksale ist in der Stadt jedoch umstritten. Doch Beata Halicka provoziert bewusst. Denn sie findet es unmöglich, dass in der polnischen Geschichtsschreibung bislang 500 Jahre deutsche Besiedlung fehlten. Doch auch auf deutscher Seite war der Blick nicht unbefangen. Deshalb hat die junge Historikern bewusst versucht, solche Einflüsse auszuklammern. Damit machte sie sich allerdings nicht viele Freunde in der Stadt, zeitweise stand die Finanzierung ihres Stadtführers auf der Kippe. Erst durch Sponsoren wurde der Druck möglich.

Doch es weht noch mehr frischer Wind durch Krosno. Auch Marek Cebula geht offen mit der deutsch-polnischen Vergangenheit der Stadt um. Der Deutsch sprechende Stadtverordnete hat den Bürgerverein "Skarpa" ins Leben gerufen, der vor allem junge Krosnoer anzieht. Das Spektrum ist groß, vom Hiphop bis zu Zeitzeugengesprächen mit ehemaligen deutschen Bewohnern.

Enger Kontakt besteht zum Beispiel zu Dr. Wilfried Reinicke. Der heutige Berliner war neun Jahre alt, als er 1945 mit seiner Familie verlassen musste. Doch noch heute hat der 69-Jährige gute Beziehungen zur Stadt seiner Kindheit, sitzt im Festkomitee zur Tausendjahrfeier. Gegen Ende des Jahres wird er seine Klabund-Ausstellung in Krosno, der Geburtsstadt des Dichters, zeigen.

Seit kurzem arbeitet der Verein auch mit dem Institut für angewandte Geschichte an der Viadrina in Frankfurt (Oder) zusammen. Die jungen Studenten und Absolventen organisieren gerade für das Brückenfest am 10. Juni eine Fahrradtour von Frankfurt nach Krosno. Außerdem haben sie das Projekt "Heimatreisen" ins Leben gerufen, bei dem ehemalige deutsche Bewohner des Grenzgebietes sprachlich und organisatorisch in ihre Heimatstädte begleitet werden. Ende April führte eine Studentin bereits ein australisches Ehepaar, dessen Vorfahren aus Krosno stammen, durch die Oderstadt.

Auch bei den in Deutschland lebenden ehemaligen Crossenern ist das Interesse am Stadtjubiläum groß. Einige von ihnen sind in der Lausitz zu finden, viele aber auch in westdeutschen Großstädten wie Hannover und Berlin. Deshalb hat Bürgermeister Andrzej Chinalski dafür gesorgt, dass Einladungen sowie Veranstaltungsprogramme an die dortigen Heimatverbände verschickt wurden. Außerdem soll es laut Bürgermeister bei allen Veranstaltungen während der Stadttage vom 26. bis 29. Mai Übersetzungen ins Deutsche geben. Doch die Bemühungen überzeugen kaum, bislang fehlt aber jegliche Programmübersicht in Deutsch oder Englisch auf der Internetseite der Stadt. Doch Chinalski betont, dass jeder Interessierte auf Wunsch ein Programm zugeschickt bekäme.