Pikant: Obwohl der Bayerische Verfassungsschutz von B.s Gesinnung wusste, wurde er Richter.

"Gut bekannt" sei es, dass B. viele Jahre aktiv in der rechten Szene unterwegs war. Gut bekannt war auch, dass er im letzten Jahr nach Bayern gezogen ist, in ein Dorf in Oberfranken. Am 26. Februar dieses Jahres hatten Brandenburgs Verfassungsschützer ihren bayerischen Kollegen den Umzug mitgeteilt. Auch das, was über ihn vorlag. B. verfüge über weitreichende Kontakte in die nationale und internationale rechtsextremistische Szene. Er gilt zudem als Hintermann des 2012 verbotenen rechtsextremistischen Vereins Widerstandsbewegung Südbrandenburg.

Im Vordergrund aber steht seine "Hassmussik", sagt Ingo Decker vom Innenministerium in Brandenburg. B.s Projekt heißt "Hassgesang", ein Ein-Mann-Projekt. Die Band dazu soll nie aufgetreten sein, nur ihre CDs mit rechtsradikalen Texten vertrieben haben. Auf dem Cover der ersten CD war Adolf Hitler abgebildet, wie er den Hitlergruß zeigt. B. soll auch noch in anderen rechtsextremen Bands Mitglied sein.

Aus einem Tagungsbericht des Sächsischen Verfassungsschutzes geht hervor, dass "ein Neo-Nationalsozialist namens Maik B. . . . ein ehemaliger Sharp-Skin" sei. Er galt als Asket, der sich gut mit Computern auskenne. "Seine Biografie weist Körperverletzung, ordnungsrechtliche Verstöße und politische Propaganda-Straftaten aus." Seine Gruppe, die Nationalen Sozialisten Senftenberg, sei "klein und sehr beweglich". Und sie sei eine der mutmaßlichen Hauptverursacher von Schmierereien. B. galt als "gut vernetzt" mit rechtsextremen Gruppen in Brandenburg. Ob B. noch zur Szene gehört oder ob er sich abgewendet hat, ist nicht klar.

"Wir haben Maik B. die ganze Zeit über als Rechtsextremisten beobachtet, bis er umzog im vergangenen Jahr. Bis dahin ist er für uns ein Rechtsextremist", sagt Decker. Und das schon seit langer Zeit: seit 2003, seit B. volljährig geworden war.

Trotzdem war der Fall für das bayerische Justizministerium neu, wie ein Sprecher betonte. Erst am Donnerstag habe man davon erfahren. Allerdings warnt das Ministerium vor einer "Vorverurteilung" - man werde den Mann zunächst anhören. Das heißt, man will klären, wie es mit B.s Vergangenheit steht.

In rechten Szene-Kreisen sind weder B.s Musik-Projekt noch er selbst allzu bekannt. Einige Aussagen in der Szene deuten darauf hin, dass B. ausgestiegen sein könnte. "Das müsste dann eine ganz spontane Wandlung gewesen sein", heißt es beim Verfassungsschutz in Brandenburg.

Nach Kurier-Informationen wurde B. am Amtsgericht Cottbus zu einer Geldstrafe verurteilt. Seine Lieder sollen volksverhetzend gewesen sein und zu Straftaten aufgerufen haben. Außerdem soll er der 2012 verbotenen Widerstandsbewegung Südbrandenburg angehört haben.

Sollte es sich bewahrheiten, dass B. immer noch rechtsextrem ist, erlaubt das Richtergesetz, sich in diesem Fall von einem Referendar zu trennen, wie es im Ministerium heißt.

Maik B. war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Der Autor ist Mitarbeiter des Nordbayerischen Kuriers