Beim größten Freizeitsport-Event im Osten gehen alljährlich mehr als 15 000 Aktive an den Start. Weidner und seine Helfer-Schar in Burg, Lübbenau, Lübben und Straupitz liebäugeln am Wochenende zum kleinen Jubiläum des Spreewaldmarathons - immerhin dem 15. - mit der neuen Rekordmarke von mehr als 12 000.

Eines hat der Breitensport-Knüller dem Rennsteiglauf allerdings schon heute voraus: In der Lagunenlandschaft wird nicht nur gelaufen und gewalkt. Hier kommen auch Radsportler, Skater und Paddler auf ihre Kosten. "Diese Veranstaltung ist ein Aushängeschild für den Spreewald", schätzt Annette Ernst, die Leiterin des Tourismusverbandes Spreewald, ein. Was Hans-Joachim Weidner und sein Team hier aufgezogen haben, sei für die Region "Super-Werbung".

Der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes in Brandenburg, Olaf Schöpe, geht noch einen Schritt weiter: "Gemeinsam mit dem Spreewald-Krimi macht dieses Event die einzigartige Landschaft weithin bekannter und auch neugierig darauf." Über so ein Event könne die Region nur froh sein, verweist Schöpe auf ausgebuchte Hotels und Pensionen sowie zusätzliche Einnahmequellen bei Handel und Gewerbe.

Es sei unbestritten, dass sich regionale Großereignisse wie der Spreewaldmarathon positiv auf die Wirtschaft vor Ort auswirken. Die Leiterin des Geschäftsbereiches Standortpolitik der IHK Cottbus Katrin Erb nennt neben dem Beherbergungsgewerbe auch Einzelhandel und Dienstleister, "die beim Verkauf von Lebensmitteln, Souvenirs oder direkt bei der Veranstaltungsorganisation zusätzliches Geschäft generieren".

Dazu kommt nach IHK-Einschätzung "der mittelbare Effekt, dass viele Menschen den Spreewald und die Lausitz kennenlernen und später möglicherweise als Touristen wiederkommen". Das bestätigen vor allem Kahnfährleute. "Die Sportler steigen nicht an diesem Wochenende in den Kahn, trinken Bier oder kosten Wein", sagt Thomas Petsching, der Vize-Hafenmeister in Burg. "Aber sie lernen kennen, wie wunderschön es hier ist, und kommen wieder." Dieses Sportevent passe genau zum Wellness-Tourismus, auf den Burg immer mehr setze.

Für die Lübbenauer Kahnfährleute erklärt der Vorsitzende der Genossenschaft, Steffen Franke, dass die Absperrungen rund um den Hafen schon "eine bittere Pille" seien. Aber die würde dadurch versüßt, "dass hier Tausende Sportler, ihre Familien und Zuschauer unsere Gastfreundschaft erfahren und Spreewaldprodukte genießen können". Steffen Franke ärgert eher, dass Spreewaldbesucher an diesem Wochenende fern bleiben, weil sie Chaos erwarten. "Aber das ist nicht so. Die Organisation passt."

Dass alteingesessene Marathonteilnehmer Herbergen weiterempfehlen, bestätigt Ralf-Michael Arnold von der Kolonieschänke Burg. "Wir sind seit Jahren zu diesem Event ausgebucht. Auch, weil Gäste ihre Erfahrungen bei uns weitersagen". Von "Wiederholungstätern" im positiven Sinn spricht Peggy Nitzsche vom Spreewald-Service in Lübben. "Die Radler buchen nach den Rennen schon fürs nächste Jahr", erklärt die Marketingchefin. Deshalb wird es "schon eng, am Tage noch ein Zimmer zu buchen", schätzt René Loichen von der Burger Touristinfo ein. "Aber, wir versuchen natürlich, alle Reserven lockerzumachen". Und das, wo es allein in Lübben und in Burg jeweils mehr als 3600 Gästebetten gibt.

Eine reichliche Viertelmillion Euro dürfte Cheforganisator Achim Weidner aufwenden müssen, um das Spreewald-Logistik-Puzzle zusammenzufügen. "Auf vier Wettkampforte haben wir uns vor 15 Jahren bei der Marathon-Gründung unter der Voraussetzung geeinigt, dass die beteiligten Orte die bei ihnen anfallenden Kosten selbst tragen", erinnert Weidner an eine Übereinkunft, an die die Kommunen immer wieder erinnert werden müssen. Dass er inzwischen einen Brief aus Lübben erhalten habe, dass sich die Stadt ganz aus dem Spreewaldmarathon zurückziehen werde, stehe dem entgegen. "Wenn wir weiter wachsen wollen", sagt Joachim Weidner, "muss dies auf der sportlichen und auf der Seite der Kommunen passieren".

Mehr Infos und Zeitplan 2017: www.lr-online.de/spreewaldmarathon

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67 500 Motorsportfans haben 2016 die DTM auf dem Lausitzring mit 170 Fahrern verfolgt.Mehr als 50 000 Besucher sind nach sechs Jahren Pause zum Red Bull Air Race gekommen.Die ADAC MX Masters lockte in diesem Jahr rund 11 500 Motocross-Fans nach Fürstlich Drehna - neuer Besucherrekord. Darüber hinaus sind 260 Motocross-Piloten aus 27 Nationen für dieses Event angereist. Der Extrem-Hindernislauf Tough Mudder zog 2014 rund 6500 Sportler in die Lausitz. In diesem Jahr wird das Event nach drei Jahren Pause erneut am Lausitzring stattfinden. Das Turnier der Meister sorgt Jahr für Jahr für eine ausverkaufte Lausitzarena (etwa 2000 Zuschauer). Zudem reisten dafür im vergangenen Jahr 55 Sportler aus 13 Nationen nach Cottbus. Turnierdirektor Mirko Wohlfahrt sagte gegenüber der RUNDSCHAU: "Wir machen das Turnier nicht zum Selbstzweck. Es soll in vielerlei Hinsicht auch einen Effekt haben."