Dieter Irlbacher ist sauer. "Hier wird Misstrauen erzeugt, dann hätten wir uns das ganze Moderationsverfahren sparen können", schimpft er. Irlbacher ist Vorsitzender vom Spreewaldverein mit Sitz in Lübben. In diesem Verein sind die verschiedenen Interessengruppen der Spreewaldbewohner vereint: die Gemüsebauern und Kahnfährleute, die Angler und die regionale Wirtschaft. Irlbachers Unmut richtet sich gegen die Leitung des Gewässerrandstreifenprojektes, des größten Naturschutzvorhabens der Lausitz.
Seit etwa zehn Jahren wird über das Vorhaben, das den Wasserhaushalt des Spreewaldes nachhaltig verbessern soll, diskutiert. Naturschützer haben es forciert, die Anwohner des Biosphärenreservat anfangs mit großer Skepsis betrachtet. Vor zweieinhalb Jahren wurde die Planung dann doch konkret und erstmalig bei solch einem Projekt von einem Moderationsverfahren begleitet. In 21 Gebiets- und elf Facharbeitsgruppen mit insgesamt mehr als 1000 Teilnehmern wurde ausführlich diskutiert, wie Naturschutz und Interessen der Spreewaldbewohner unter einen Hut gebracht werden können. Nun flammt altes Misstrauen wieder auf.

„Fast konspirative Treffen“

Im April besuchte der Präsident des Bundesamtes für Naturschutz, Prof. Hartmut Vogtmann, den Spreewald. Vertreter der Projekt-Arbeitsgruppen waren dazu nicht eingeladen. Das brachte die Gemüter von Dieter Irlbacher und anderen Spreewäldern in Wallung. "Das war fast ein konspiratives Treffen", ärgert sich Falkner Schwarz, Vizechef des Anglerverbandes Lübben, "wir dachten, die Zeiten sind vorbei."
Christine Kehl, Projektleiterin des GRPS, kann darüber nur den Kopf schütteln: "Wenn ich das geahnt hätte, hätte ich alle eingeladen." Nur der Kurzfristigkeit des Besuches sei der kleine Kreis geschuldet gewesen. An anderer Stelle üben sie und Günter Stache, Leiter Gebietsentwicklung im Biosphärenreservat Spreewald, Selbstkritik. "Dass Termine für den Planungsabschluss nicht gehalten wurden, geht auf unser Konto", sagt Stache. Spreewaldbewohner witterten dahinter jedoch Gefahr. Vielleicht, so wurde vermutet, werde ja in die Pläne noch schnell was hineingeschrieben. "Wir haben jetzt nicht mal zehn Tage Zeit, die Papiere zu lesen, das ist eine Zumutung", kritisiert Spreewaldvereinschef Irlbacher. Am Donnerstag treffen sich die Sprecher der Arbeitsgruppen zur Diskussion über die jetzt fertig gestellte Planung. Im Juni wird der Zweckverband die letzte Entscheidung dazu treffen. Die enge Zusammenarbeit zwischen Gewässerrandstreifenprojekt und Biosphärenreservat ist ein weiterer Ansatzpunkt für Misstrauen. Schließlich sei das Reservat nicht Mitglied im Zweckverband, sagt Dieter Irlbacher. "Da werden die Wünsche des Naturschutzes zu stark hereingetragen", fürchtet Falkner Schwarz vom Lübbener Anglerverband. "Das ganze Vorhaben findet doch im Reservat statt", hält Projektleiterin Christine Kehl dagegen, "ohne die Reservatsleitung können wir nicht planen." Aufregerthema Nummer eins bei den neuen Querelen ist wie schon in der Vergangenheit der geplante Flächenkauf durch den Zweckverband. Dass noch immer nicht genau festgelegt sei, welche Flächen erworben werden sollen, kritisiert Irlbacher, und dass es keine Abschätzung für mögliche Folgekosten gebe. "Darüber muss man doch angesichts der Finanzlage der Kommunen mal reden", fordert der Chef des Spreewaldvereins. Auch über die vorgesehene Erweiterung des Totalreservatbereiches um etwa 450 Hektar.

Finanzrahmen noch nicht sicher

In den nun vorgelegten Planungsunterlagen sind die Gebiete beschrieben, in denen Land gekauft werden soll, immer versehen mit dem Hinweis, "wenn die Eigentümer einverstanden sind". Das sei nach wie vor unumstößlicher Grundsatz, versichert Projektleiterin Kehl. Ob das Geld ausreicht, um wie geplant 1200 Hektar zu erwerben, sei noch nicht sicher. Zurzeit übernehme der Zweckverband Naturschutzflächen aus Landesbesitz. Über Pachteinnahmen soll schrittweise erreicht werden, dass für den Zweckverband nach Projektende möglichst keine Folgekosten entstehen.

Ausnahmen für den Motorbetrieb

Konfrontiert wird die Leitung des Gewässerrandstreifenprojektes auch mit Vorwürfen, für die sie, so Christine Kehl, gar nicht zuständig ist. In Lübben sammeln die Kahnfährleute beispielsweise gerade Unterschriften, um eine Ausnahmegenehmigung für Motorbetrieb auf einem Stück des Burg-Lübbener Kanals zu behalten. Ein neues Wehr in der Nähe wurde gerade fertig gebaut. Im Fördermittelbescheid des Gewässerprojektes steht, dass nun die Motorgenehmigung erlöschen soll.

"Darauf hatten wir uns schon 1996 mit den Fährleuten geeinigt", sagt Günter Stache von der Reservatsverwaltung, "in den Fördermittelbescheid gehört das aber gar nicht rein, das ist Landessache." Wann die Genehmigung vom Land eventuell zurückgenommen wird, stehe noch gar nicht fest. Die Lübbener Kahnleute sind jedoch schon kampfentschlossen. "Das lassen wir uns nicht gefallen", kündigt Burkhard Herzke vom Lübbener Fährverein "Flottes Rudel" an, "wir haben schon 500 Unterschriften dagegen." Günter Stache von der Verwaltung des Biosphärenreservates ist an derartigen Streit gewöhnt: "Langsam wird man hier zwischen den Stühlen sesshaft." Martin Wille, Landrat im Dahme-Spreewald-Kreis und Zweckverbandsvorsitzender, ist etwas verärgert, dass es in Sachen GRPS wieder "grummelt". Mit einem so massiven Störfeuer habe er nicht mehr gerechnet. "Wir achten darauf, dass hier keiner untergebuttert wird", verspricht er, warnt aber zugleich, "wo wäre denn der Spreewald heute ohne das Biosphärenreservat." Mit den Landräten der anderen beteiligten Kreise sei er sich einig, dass sie sich das Millionenprojekt nicht noch zerreden lassen. Ernst nimmt Wille jedoch die Angst der Spreewaldbewohner, dass Hochwasser künftig nicht mehr schnell genug abfließen könnten. Das müsse genau geprüft werden.

„Ehrlich und überprüfbar“

Andere Dinge, wie die geplante Erweiterung des Totalreservatbereiches seien schon lange bekannt und kein Grund zur Aufregung. "Wir müssen ehrlich und überprüfbar
sein, dann wird auch Vertrauen wachsen", prophezeit er. Wille ermahnt aber auch die Naturschützer, jetzt "nicht nachzulegen". "Uns geht es hier in der Region zwar
schlecht, aber erpressen lassen wir uns auch nicht", so Wille angesichts von 15,6 Millionen Euro, um die es geht.

Hintergrund

Gewässerrandstreifenprojekt Spreewald
Das GRPS umfasst verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung des Wasserhaushaltes im Spreewald.
Bis 2012 sollen dafür 15,6 Millionen Euro ausgegeben werden, drei Viertel davon vom Bundesamt für
Naturschutz. Den Rest teilen sich das Land Brandenburg und ein regionaler Zweckverband.
Der Zweckverband ist Träger des GRPS . Dem regional organisierten Verband gehören die Landkreise
Oberspreewald-Lausitz, Spree-Neiße und Dahme-Spreewald, die Städte Lübbenau und Lübben sowie der Förderverein für Naturschutz im Spreewald (Fönas) an.