Die Zahlen sprechen zunächst eine nüchterne Sprache: Der Spreewald, Haupttourismusgebiet der Region, hat von Mai bis September dieses Jahres weniger Gäste angezogen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das Sommermärchen Fußball-Weltmeisterschaft, das Deutschland in den Wochen des runden Leders in den Bann zog, hat für die Unternehmen in der Lagunenlandschaft ein eher böses Ende genommen. „Gefeiert wurde in den Metropolen. In unsere ländlichen Gebiete kam keiner“ , stellt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Cottbus, Andreas Kotzorek, auf RUNDSCHAU-Nachfrage fest. Hinzu kam die große Hitze, die vor allem ältere Besucher von Ausflügen abhielt.
„Die ersten Monate waren wirklich schlecht“ , so Kotzorek. Die Folge: In den Spreewald kamen bis September rund 4000 Gäste weniger. Bei Übernachtungen gab es ein Minus von 5000. Wahrscheinlich werde der „goldene Herbst“ die Saison insgesamt noch retten, vermutet der IHK-Experte. So brachte der Monat September einen deutlichen Aufschwung vor allem an Tagesbesuchern und auch der Oktober, für den die Bilanz noch nicht vorliegt, habe sich gut eingefügt.
Zugelegt haben im IHK-Bezirk die Reisegebiete Dahme-Seengebiet, Niederlausitz und Elbe-Elster-Land, sodass sich die Bilanz insgesamt auf Vorjahresniveau bewegt. Erfreulich, so Kotzorek, sei die wachsende Zahl der Übernachtungen. Sie erhöhten sich im IHK-Bezirk um 2,1 Prozent. Hier liegen die Beherbergungsunternehmen zwischen Spreewald und Elbe-Elster-Land über dem Landesdurchschnitt. „Das ist wichtig, denn vor allem darin liegt die Wertschöpfung“ , stellt Kotzorek fest. So hat sich im Beherbergungsbereich bei 24 Prozent der Unternehmen mit mehr als acht Betten die Geschäftslage verbessert. Dennoch war das im Vergleich zum Jahr 2005 ein Rückgang von sechs Prozent. Gastronomen registrierten im heißen Sommer zwar gut besuchte Gartenlokale. Allerdings beschränkten sich die Gäste vornehmlich aufs Trinken und verzichteten auf teure Speisen.

Längere Aufenthalte
Für die Wintersaison, die von November 2006 bis April 2007 geht, rechnet die Mehrheit der Hoteliers und Inhaber von Pensionen nach IHK-Angaben mit einem gleichen Geschäftsverlauf wie vor zwölf Monaten. Und der war erfolgreich. Der Optimismus, den die Konjunkturforscher der IHK vor Jahresfrist an den Tag gelegt hatten, war vor allem für das Gebiet um Burg, Lübbenau und Lübben nicht übertrieben. Erneut wurde wie im Winter zuvor die Marke von 100 000 Besuchern übertroffen und zwar um knapp 28 000 Gäste. Das waren 2000 mehr als im Winter 2004/2005. Noch deutlicher fiel der Zuwachs bei den Übernachtungen aus. Touristen hielt es über 36 000 Tage und Nächte länger im Spreewald als im Winter zuvor. Die Aufenthaltsdauer stieg um 13,6 Prozent. Einen geringen Zuwachs bei Gästen und Übernachtungen hatte auch das Dahme-Seengebiet. Ins Elbe-Elster-Land kamen zwar knapp 1000 Gäste weniger, dafür blieben diese aber länger. Die Anzahl der Übernachtungen stieg um 1500. Rückgänge in beiden Kategorien registrierte dagegen die Tourismusbranche in der Niederlausitz. Insgesamt erhöhte sich im IHK-Bezirk vor allem dank des Aufschwungs im Spreewald bei geringfügig weniger Gästen die Zahl der Übernachtungen um 6,2 Prozent auf knapp 632 000. Im Landesdurchschnitt betrug der Zuwachs nur 1,7 Prozent. „Es zahlt sich aus, dass sich in den vergangenen Jahren die Infrastruktur mit dem Rad- und Wanderwegenetz und der Bäderlandschaft sowie das Kultur- und Freizeitangebot verbessert haben“ , nennt Kotzorek als Ursachen für diesen Trend im Wintertourismus. Zudem hätten private Anbieter große Anstrengungen gerade bei der Erhöhung der Qualität unternommen. Zwar gebe es noch immer Beispiele von „teuer und schlecht“ , aber inzwischen viel mehr Angebote, bei denen das Preis-Leistungsverhältnis stimme. „Der Erlebnischarakter insgesamt hat sich weiter ausgeprägt“ , schätzt Kotzorek ein.
Er ist, was die Aussichten für die kommenden Monate angeht, zuversichtlicher als die Branche selbst. Die Mehrheit der Unternehmen rechnet bestenfalls mit einem gleichen Geschäftsverlauf wie im Vorjahr. Kotzorek dagegen hofft vor allem für den Spreewald auf ein Wintermärchen und prognostiziert einen Zuwachs bei den Übernachtungen zwischen fünf und zehn Prozent.

Positives Investitionsklima
Erwärmt hat sich laut Konjunkturumfrage das Investitionsklima im Beherbergungsgewerbe. Knapp ein Viertel der Unternehmen will ihre Ausgaben erhöhen, 41 Prozent wollen in gleichem Umfang investieren.
Die Gastronomen in den vier Tourismusregionen blicken nach den Erfahrungen des Sommers eher skeptisch in die Zukunft. Immerhin berichteten sechs von zehn Unternehmen von erheblichen Umsatzeinbrüchen. Dass 46 Prozent für das Wintergeschäft schwarz sehen, überrascht deshalb nicht. Die Verbraucher würden angesichts der beschlossenen Erhöhung der Mehrwertsteuer eher in Gebrauchsgüter investieren und an Gaststättenbesuchen sparen, klagen sie. Einzig Imbisse und Schnellrestaurants sind optimistisch. 61 Prozent der Gastronomiebetriebe werden laut Konjunkturumfrage die höhere Mehrwertsteuer im kommenden Jahr auf die Preise umlegen.
Die IHK geht in ihrer Zukunftsprognose davon aus, dass die angekündigte Rückkehr der Stadt Cottbus in den Tourismusverband Spreewald positive Impulse auslöst, „wenn diese Mitgliedschaft mit Ideen verbunden ist“ , wie IHK-Experte Kotzorek hofft. Die kleinteilige Einkaufslandschaft der Stadt mit Floristik oder Boutiquen, die Kneipenszene, die Kulturangebote oder die Anziehungskraft einer künftigen Museumsinsel zwischen Mühlengraben und Spree seien wichtig, um Touristen länger für Urlaub in der Region zu begeistern. Dafür müsse das Vorhandene allerdings auffälliger gezeigt und angeboten werden. Cottbus braucht nach Ansicht von Andreas Kotzorek ein „professionelles Stadtmarketing mit frischen und ideenreichen Köpfen“ . Die gegenwärtige Ansiedlung bei der Congress, Messe & Touristik (CMT) GmbH sei eine „Fehlkonstruktion“ , die verändert werden müsse.