Zu den Gebieten mit den größten Engpässen in der hausärztlichen Betreuung gehört neben der Uckermark auch der Landkreis Spree-Neiße.

Im nächsten Halbjahr wird sich die Zahl der freien Hausarztsitze sogar noch erhöhen, denn dann wird die jetzt in Kraft getretene neue bundesweite Planung des Ärztenetzes regionalisiert. Darin sind zusätzliche Hausarztstellen vorgesehen, und die Verteilung der Mediziner geht weg von einer reinen Pro-Kopf-Statistik zu kleinteiligerer Planung und Einbeziehung regionaler Besonderheiten wie Bevölkerungsdichte und Altersstruktur.

"Damit können wir die regionale Verteilung der Hausärzte auch innerhalb eines Landkreises künftig besser steuern", sagt der Brandenburger KV-Sprecher Ralf Herre. Denn seit Jahren zieht es den Nachwuchs der niedergelassenen Allgemeinmediziner, der überhaupt in die Region kommt, in die größeren Städte. Herre räumt jedoch unumwunden ein, dass eine bessere Verteilung allein die Probleme nicht löst: "Das bringt uns noch keinen einzigen Arzt mehr in die Region."

Schon lange kämpfen Brandenburg und Sachsen gegen drohenden Ärztenotstand in einigen Gebieten. Seit zehn Jahren wurden deshalb stufenweise in beiden Bundesländern durch die Kassenärztlichen Vereinigungen und die Krankenkassen verschiedene Förderungen aufgelegt. Ziel der Bemühungen war es, Hausärzte in für Jungmediziner unattraktive Gebiete zu locken und überhaupt wieder mehr Ärztenachwuchs für eine Facharztausbildung in Allgemeinmedizin zu begeistern.

Die Liste der "Anreize" reicht dabei von Umsatzgarantien für bestimmte Gebiete, Investitionszuschüssen, Stipendien und Förderung der Facharztausbildung bis zu Zweigniederlassungen und der Hilfe von Kommunen bei der Suche eines Wohnhauses, eines Kitaplatzes oder eines Jobs für den Ehepartner.

Die Wirksamkeit dieser Bemühungen lässt sich jedoch nur schwer einschätzen. Die Maßnahmen seien mittel- und langfristig angelegt, betont der Sprecher der sächsischen KV, Ingo Mohn. Je nach Region gehe es nicht nur um eine Verbesserung der Situation, sondern manchmal auch darum, eine drohende Unterversorgung abzuwenden.

Sein Brandenburger Kollege Ralf Herre ist sich jedoch sicher: "Es hat erheblich zur Stabilisierung der Gesamtsituation beigetragen." Bis 2006 habe Brandenburg jährlich in der Gesamtzahl 20 bis 40 Hausärzte verloren. Seit 2007 sei dieser Abwärtstrend gestoppt. In einigen besonders angespannten Versorgungsgebieten sei es in den vergangenen Jahren auch gelungen, neue Hausärzte anzusiedeln.

Dass in absehbarer Zeit das Interesse des Medizinernachwuchses an einem Leben als Landarzt wieder deutlich steigen könnte, daran glaubt auch Herre nicht. Die KV Brandenburg setzt da wie ihre sächsischen Kollegen weiter auf die langsame Wirkung der Stipendien, Weiterbildungsnetzwerke und anderen Anreize. Diese Wirkung ist auch dringend nötig, denn fast jeder vierte Hausarzt in Brandenburg und Sachsen ist heute schon älter als 60 Jahre. Sie alle brauchen Nachfolger.