Die Bautzener Sprachretter selbst feiern im nächsten Jahr ihr zehnjähriges Vereinsjubiläum. Ihre Mitglieder kommen nicht nur aus Bautzen, sondern aus ganz Ostsachsen. Seit dem vergangenen Jahr gehören sie der "Fruchtbringenden Gesellschaft", der Wiedergründung einer gleichnamigen Vereinigung, die vor 390 Jahren in Köthen (Sachsen-Anhalt) das Licht der Welt erblickte, an. "Im 17. Jahrhundert legten Sprachfreunde wie die Fruchtbringer den Grundstein für den Aufstieg der deutschen Sprache im darauffolgenden Jahrhundert", erklärt Diethold Tietz. Damals ging es noch nicht um "Übergriffe" aus dem englisch-amerikanischen Sprachraum, sondern in erster Linie um nach Ansicht der Sprachbewahrer überflüssige Anleihen aus dem Lateinischen. So ersetzten sie beispielsweise im allgemeinen Sprachgebrauch das Wort "Passion" durch Leidenschaft, aus dem "Nekrolog" wurde der Nachruf, die "Anschrift" steht heutzutage zumindest gleichrangig neben der Adresse. Andere Neuschöpfungen, wie "Meuchelpuffer" für Pistole oder "Zitterweh" für Fieber, setzten sich hingegen nicht durch. Ins Reich der Legende übrigens verweist Diethold Tietz die Behauptung, dass das Wort "Nase" durch "Gesichtserker" ersetzt werden sollte: "Dies ist frei erfunden."
Die "Fruchtbringer" machten sich aber auch auf andere Weise um die deutsche Sprache verdient. So schufen sie Wörterbücher und Übersetzungen, befassten sich mit Sprachlehre und Geschichtsschreibung. Aus Anlass der Neugründung der "Fruchtbringenden Gesellschaft" wurde das "Unwort des Jahres" - die Wahl fiel bekanntlich auf "freiwillige Ausreise" - im vergangenen Jahr in Köthen gekürt.
Der Bautzener Sprachrettungsclub, dessen Mitglieder komplett in die "Fruchtbringende Gesellschaft" eingetreten sind, will aber auch seine regionalen Aktivitäten fortsetzen. 2006 erregten die Sprachretter großes Aufsehen, als sie öffentlichkeitswirksam gegen die Bezeichnung "Lausitz-Tower" für ein saniertes Wohnhochhaus in Hoyerswerda protestierten. Der Name verschwand - nicht nur, aber auch infolge dessen - in der Schublade. Eine Neuauflage soll die in Bautzen schon in den Vorjahren erfolgreich durchgeführte Aktion "Wir sprechen die Sprache unserer Kunden" erfahren, in der originelle deutsche Firmenbezeichnungen geehrt werden. "Und natürlich wird es auch wieder einen Schreibwettbewerb für Schüler geben", versichert Tietz.