Machen wir uns nichts vor. Die Fußball-WM in Katar geht einfach los. Diskussionen um das arabische Land, dessen Umgang mit Arbeitsmigranten und Homosexuellen oder die irre WM im Advent hin oder her. Katar ist bloß die neue Station des milliardenschweren Fifa-Zirkus, der 2018 in Russland gastierte – und der ab 20. November 2022 fünf Milliarden Menschen vor die Fernseher bringen soll, wie Fifa-Präsident Gianni Infantino jubelt.
Wie fühlt sich das für Spieler und Funktionäre an? Manche reflektieren die schwierige Lage. Sie wissen: Fans wollen Fußball auf höchstem Niveau erleben, und den gibt es nur nach Regeln, die der umstrittene Fußball-Weltverband setzt. Der schaut, wo das meiste Geld verdient wird – wie Profi-Spieler, Vereine und Ligen auch.
Die superreiche Monarchie Katar nutzt Sport systematisch, um ihr Land wichtiger zu machen. Der Öl- und Gas-Exporteur kann sich diese Weltmeisterschaft der Superlative im Wüstenstaat leisten. Dessen Klima und drei Stunden Zeitunterschied, das sind gerade die Herausforderungen für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft zur optimalen Anpassung an die Verhältnisse. Systemfragen eher nicht.

WM 2022: Zu Hause Glühwein, in Katar Wüstenklima

Seltsam dürfte es für Bundesligaspieler nach einer halben Saison auch sein, weil in Deutschland am Tag vorm Spiel gegen Japan die Weihnachtsmärkte öffnen. Daheim die normalen Leute, die nach der Arbeit einen Glühwein trinken gehen, Geschenke für die Familie organisieren und sich mit der Krise plagen. Wie sollen da Fangefühle aufkommen?
In Deutschland sind die Stimmen gegen die WM relativ laut; „Boycott Qatar“-Banner hingen in Bundesliga-Stadien an Tribünen-Brüstungen. Andere geben dagegen Tausende von Euro aus, um die Spiele in Katar live zu verfolgen. Sie dürfen dann Bier und Wein in Fanzonen für ausländische Gäste konsumieren. Fast wie zu Hause, aber künstlich und nur für Männer, die sich dabei nicht öffentlich küssen.
Gut, dass die mangelnde Toleranz des islamischen Gastgeberlands hinterfragt wird. Interessant, wie Politikerinnen und Politiker dabei ihren Spielraum ausloten. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hat bis zuletzt gezögert, ob sie zum Spiel Deutschland gegen Japan reist. Und sie will weitere Gespräche über die Lage von Arbeitsmigranten und katarischen Minderheiten führen.

WM 2022: Katar muss politische Zugeständnisse machen

Klingt bemüht. Dennoch ist es nicht allein das offizielle Katar, das die WM als Vehikel nutzt. Dass es in dem Land einen Streit der Traditionalisten mit meist jüngeren, westlich orientierten Menschen gibt, ist jetzt bekannter. Diplomatie und Öffentlichkeit haben der Regierung in Doha einige Verbesserungen für Beschäftigte abgerungen.
Der Alltag der Menschen dort wird während der WM eine größere Rolle spielen. Das ist eine Chance dieses seltsamen Ereignisses. Wobei eine Frage bleibt: ob wir Außenstehende im ach so freien Westen uns hineinfühlen können in das Andere – ohne entweder unkritisch oder respektlos und kolonialistisch zu wirken.
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