Nach dem feierlichen Intonieren der vier Nationalhymnen und dem begeistert aufgenommenen Live-Auftritt des Sängers Alexander Knappe mit seinen beiden Instrumental-Begleitern und drei Songs folgten acht Kampfpaarungen in fünf verschiedenen Gewichtsklassen. Dazu kamen zwei BCC-Mädchen-Begegnungen mit der kleinen Selma Börner, die im Papiergewicht (bis 38 kg) gegen Delia Scharer zum allerersten Mal überhaupt vor Publikum boxte und sich über ein Remis freute. Nach der Pause sah man dann noch im Fliegengewicht (bis 48 kg) die Begegnung Cecile Talkes gegen Aliene Pohl.

Spannung und Erwartungen stiegen, als Hallensprecher Wolfgang Rosenow den Cottbuser Bantamgewichtler (bis 56 kg) Marko Lebeda und seinen mongolischen Kontrahenten Enkhjargal Iderkhuu zum Auftaktfight ins sehr gut ausgeleuchtete Seilquadrat rief. Bereits in der 1. Runde zeigte sich, dass Lebedas asiatischer Gegner - immerhin Landesmeister und Junioren-Vizeweltmeister von 2010 - mit außerordentlich schnellen Aktionen aufwartete. Der Deutsche konnte dagegen seine Reichweiten-Vorteile nicht nutzen und wurde im Verlauf der drei Runden nach Wirkungstreffern zweimal angezählt. Lebedas Meinung dazu: "Natürlich war der Gegner sehr schnell und seine Hände schlugen bei mir wie Blitze ein. Aber das Anzählen hielt ich nicht unbedingt für notwendig." Der 29-Jährige, der als Service-Kraft in einem Fast-Food-Restaurant arbeitet, akzeptierte das 0:3-Urteil gegen ihn aber fair, "zumal meine Kräfte in der letzten Runde auch ziemlich nachließen".

Den wohl von den allermeisten erwarteten Höhepunkt lieferte im Schwergewicht (91 kg) der BCCer Thomas Elsner. Der Kahrener Bäcker, der am Freitag alles andere als kleine Brötchen buk, beherrschte seinen mongolischen Kontrahenten Nyamgarav Bathaatar von Beginn an. Voll konzentriert, doch mit der nötigen Lockerheit setzte er gleich mit dem ersten Glockenton einen harten Kopf- und Körpertreffer nach dem anderen. Trainer Rainer Philipp assistierte aus der Ecke lautstark. Mehrmals hart getroffen, drehte Bathaatar ab. Mit Schlägen auf den Solarplexus, im Bereich des Übergangs vom Brustkorb zu Magengrube, leistete Elsner dann in Runde zwei die Vorarbeit für den kampfentscheidenden Aufwärtshaken.

Diese Situation schilderte er anschließend so: "Nach zwei harten Bauchtreffern begann mein Gegner zu schnaufen. Mit dem folgenden Haken auf die Rippe ging der Fight mit dem technischen K.o. zu Ende." Eine Super-Vorstellung des Cottbusers, der dafür begeistert gefeiert wurde.

BCC-Vereinspräsident Andreas Günther zeigte sich von der Akzeptanz durch das Publikum begeistert und gab zu Protokoll: "Wenn die Stadt mitspielt, dann können wir dieses internationale Event ohne Weiteres zur Tradition machen, das Boxen fördern und auch wieder gegenüber anderen Sportarten aufwerten."

An dieser Einschätzung änderten auch die beiden Niederlagen vom Sonntag wenig. Lebeda unterlag Iderkhuu in Luckau ein zweites Mal mit einem dicken Cut, Elsner musste nach dem Kampf gegen den Österreicher Stefan Nicolic sogar mit einem kaputten Trommelfell ambulant im Krankenhaus behandelt werden. "Da sieht man halt, dass unsere Boxer nicht zweimal am Tag trainieren wie die anderen", sagte Günther, dessen Erwartungen insgesamt aber vollends übertroffen wurden. Denn auch beim zweiten Teil des Vier-Nationen-Cups strömten rekordverdächtige 500 Zuschauer in die Luckauer Halle.