LHC-Trainer Marcel Linge verbrachte das Wochenende im Krankenbett. Die Grippe hatte ihn außer Gefecht gesetzt und nicht etwa das Spiel bei der SG OSF Berlin. Dabei wäre das durchaus tauglich gewesen, den Kreislauf durcheinander zu bringen. Zu enttäuschend war das, was die Lausitzer vor allem im ersten Abschnitt ablieferten.

Linges Trainerkollege Falk Fürstenberg, der sich in der Regel öffentlich eher schützend vor die Mannschaft stellt, mochte diesmal das Abgelieferte oder, besser gesagt, das nicht Gelieferte, nicht tolerieren. "Wir haben uns verhalten wie das Kaninchen vor der Schlange. Keiner wollte Verantwortung übernehmen. Uns fehlte ein Leader, der die Fäden in die Hand genommen hätte. Die Spieler haben sich auf Nebenschauplätzen getummelt. Ich musste sogar eine Auszeit vergeuden, um sie deshalb zu ermahnen." Vor allem eine Grundregel war den Akteuren abhanden gekommen, nämlich der schnelle Rückzug in die Abwehrformation bei Ballverlust. "Wir haben neun Kontertore bekommen, weil mit den Schiedsrichtern diskutiert wurde, statt zurückzulaufen", legte Fürstenberg den Finger in die Wunde.

Dabei hatten sich alle beim LHC in der Spielauswertung nach dem Derby und der Vorbereitung auf Angstgegner Berlin geschworen, genau diese Diskussionen zu unterlassen. Natürlich war die Ausgangsposition schwierig. Nicht nur Linge war vom Schnupfen heimgesucht, sondern auch Spieler wie Florian Takev, der gänzlich im Aufgebot fehlte, Max Berthold, Johannes Trupp oder Ernst Efa plagten sich mit Erkältungen herum. Hinzu kam, dass es im Spiel alles andere als optimal für den LHC los ging.

Schon nach der ersten Abwehraktion in der ersten Minute wurde Efa ohne Vorwarnung mit einer Zwei-Minuten-Strafe auf die Bank geschickt. Marcus Meier hatte bereits nach 15 Minuten die zweite Zeitstrafe kassiert und konnte fortan ebenso wie Efa nur mit angezogener Handbremse agieren. Berthold musste nach einem Kurzeinsatz passen, weil die Grippe zu sehr an der körperlichen Substanz gezehrt hatte. Hinzu kam, dass in der Schöneberger Halle das Benutzen von Kleber als Ballfang-Hilfe verboten ist, was zu individuellen Fehlern führte. So war die Begegnung für den LHC schon Mitte der ersten Halbzeit beim 7:12 aus den Fugen geraten und schien zur Halbzeit schon verloren.

Nach der Pause raffte sich die Mannschaft zu einer Aufholjagd auf. Bei 18:17 für Berlin war nach rund 40 Minuten der Anschluss tatsächlich geschafft. Ein Ausgleich gelang dem LHC allerdings nicht. "Das Pfund des Sechs-Tore-Rückstands lastete einfach zu schwer", bilanzierte Fürstenberg, der das Spiel in der zweiten Halbzeit aus Sicht der Lausitzer als "völlig in Ordnung", bewertete.

Damit der Patient LHC sich nach der Schwächeperiode erholen und aus dem Krankenbett erheben kann, werde das Training verstärkt genutzt, um den Krafttank aufzufüllen und in "Therapie-Gesprächen" mentale Blockaden zu lösen. "Die Jungs müssen die Arschbacken zusammenkneifen und wieder als Team agieren", forderte Fürstenberg die Rückkehr zu Tugenden, die den LHC bisher ausgezeichnet und nach dem Heimsieg gegen Usedom eine glänzende Ausgangsposition für den Aufstieg in die 3. Liga verschafft hatten.

Mit den zwei Niederlagen ist der LHC nun in Zugzwang geraten. "Einige Spieler scheinen den Ernst der Lage nicht zu begreifen. Sie können mich ja eines Besseren belehren." Noch ist das erklärte Saisonziel weiterhin aus eigener Kraft erreichbar. Dafür muss der Patient LHC allerdings schnell topfit werden.