Lutz Heßlich bereitet ein Jubiläum vor: Am 15. August lädt der Olympiasieger von 1980 nach Burg in den Spreewald ein. „Wir haben eine Big Party geplant“, sagt der 61-Jährige. Zusammen mit Ehefrau Simone, seinen Kindern Nadja (39) und Nico (29), seinen vier Enkeln und vielen Freunden wird an diesem Tag der 40. Hochzeitstag gefeiert.
„Dass sich mein erster Olympiasieg auch zum 40. Mal jährt, daran habe ich gar nicht mehr gedacht“, sagt Heßlich. Der Sieg in Moskau bei den Sommerspielen: Am 26. Juli 1980 sprintete Heßlich auf der Radrennbahn in Moskau-Krylatskoje zum ersten von zwei Olympiasiegen.
„An meinen ersten Olympiasieg habe ich keine direkte Erinnerung mehr. Ich war wie im Koma, bin nach meinem Entscheidungslauf abgeklappt“, sagt Heßlich. Bei der Siegerehrung sei er zwar dabei, aber eigentlich nicht anwesend gewesen.

Lutz Heßlich kommt mit dem SC Cottbus an die Weltspitze

Heßlich stammt aus Ortrand ganz im Süden Brandenburgs. 1972 wechselte der Leistungssportler zum SC Cottbus und war Mitbegründer einer erfolgreichen Ära, die den Cottbuser Club zum erfolgreichsten seiner Art weltweit machte.Gefördert und gefordert vom 2020 verstorbenen Trainer Gerd Müller, feierte Heßlich 1977 und 1978 als Junioren-Weltmeister erste Erfolge.
Bei der Elite-WM 1979 in Amsterdam sicherte er sich erstmals als Regenbogen-Trikot als Weltmeister und reiste ein Jahr später als Top-Favorit zu den Olympischen Spielen nach Moskau. „Alle haben gesagt: ‚Lutze, als Weltmeister von 1979 musst du Olympiasieger werden.’ Ich habe immer aber immer nur von Lauf zu Lauf und von Rennen zu Rennen gedacht“, sagt Heßlich. Der frühere Weltklasse-Radsportler ist immer zehn Stunden in der Woche auf dem Rennrad unterwegs.
Olympische Sommerspiele in Moskau 1980: Der Cottbuser Lutz Heßlich (rechts) stürzt im Finale des Radsprints im Duell mit dem Franzosen Yave Cahard. Trotzdem holt Heßlich im Velodrom in Krylatskoje schließlich die Goldmedaille
Olympische Sommerspiele in Moskau 1980: Der Cottbuser Lutz Heßlich (rechts) stürzt im Finale des Radsprints im Duell mit dem Franzosen Yave Cahard. Trotzdem holt Heßlich im Velodrom in Krylatskoje schließlich die Goldmedaille
© Foto: dpa
Nachdem er 1980 in Moskau ungefährdet durch das Olympia-Turnier gekommen war, traf Heßlich im Finale überraschend auf den 1000-Meter-Spezialisten Yavé Cahard aus Frankreich. „Ich hatte den ersten Lauf gewonnen und gedacht: Der kann ja gar nichts. Im zweiten Lauf hat mich Cahard aber verladen und gewonnen“, sagt Heßlich.

Moskau 1980: Lutz Heßlich startet längsten Sprint seines Lebens

Dann der Entscheidungslauf auf dem 333,33-Meter-Oval von Krylatskoje. Wieder wählte Cahard seine Überrumpelungstaktik, diesmal reagierte Heßlich jedoch richtig und fuhr frühzeitig ab. „Das war der längste Sprint meiner Karriere. Ich hatte gleich 20 Meter Vorsprung, aber er kam Meter um Meter näher“, sagt Heßlich.
Im Ziel hatte Heßlich eine gute halbe Radlänge Vorsprung – an viel mehr kann er sich nicht erinnern.
Heßlich hat viele seiner Rennen aufgrund der Taktik und seiner mentalen Stärke gewonnen. „Ich war mit Sicherheit kein Naturtalent. Ich habe mich eher hochgequält. Und bei mir hat einfach alles gepasst: Club, Heimtrainer, Verbandstrainer. Die haben mich gefördert“, sagt Heßlich rückblickend.

Lutz Heßlich holt in Seoul 1988 den zweiten Olympia-Sprintsieg

Niederlagen hätten ihn immer angestachelt und motiviert. "Die waren für mich Zündstoff", sagt der Olympiasieger von Moskau. 1983, 1985 und 1987 sicherte er sich drei weitere Male den Weltmeister-Titel. Und 1988 bei den Olympischen Spielen in Seoul holte Lutz Heßlich uum zweiten Mal die Goldmedaille im Sprint-Turnier.
Olympiagold vor 30 Jahren „Ich wollte den Erfolg“

Cottbus

Auch mehr als 30 Jahre nach seinem Karriereende – 1988 drehte er auf der damals letztmals ausverkauften Cottbuser Radrennbahn seine Schlussrunde – bestimmt das Fahrrad sein Leben. 1990 eröffnete er in der Cottbuser Innenstadt ein Fahrradcenter. 30 Stunden in der Woche ist der Senior im Geschäft anzutreffen.
Cottbus: Begehbare Vitrine mit Erinnerungsstücken an die Radsportkarriere im Fahrradgeschäft von Lutz Heßlich.
Cottbus: Begehbare Vitrine mit Erinnerungsstücken an die Radsportkarriere im Fahrradgeschäft von Lutz Heßlich.
© Foto: Thomas Juschus/dpa
Gleich am Eingang erinnert eine begehbare Vitrine an seine Siege: Zwei olympische Gold-Medaillen, diverse Diplome, vier Regenbogen-Trikots, vier weitere WM-Medaillen oder die Auszeichnung zum Welt-Radsportler 1987 dokumentieren Heßlichs Karriere.Sein wichtigster Erfolg? "Das war der 5. Dezember 1979. Da habe ich Simone kennengelernt", sagt Lutz Heßlich. Und am 15. August feiern beide zusammen Rubin-Hochzeit im Spreewald.
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