Boah, was war das für ein Gehacke in der D-Jugend. War der Gegner schneller, gabs die Kreissäge – und schon flog der Stürmer waagerecht übern Rasen. Ich muss bekennen, einmal hatte so eine Aktion von mir sogar einen Armbruch zur Folge. Schlimm. Aber schließlich gab es die Vorbilder jeden Samstag in der Sportschau zu sehen. Fouls, dass die Knochen nur so krachten. Und dann erst die Länderspiele, bei denen der Tritt in die Wade zu den Primärtugenden gehörte. Fouls gehörten einfach dazu – leider.
Ist es nur Einbildung oder hat sich da etwas daran geändert? Wo bleibt die Blutgrätsche bei  der aktuellen EM? Zwar zücken die Schiedsrichter ihre Karten, erstaunlich oft ist aber von „ansonsten fairem Spiel“ die Rede. Elfmeter? Gab es immerhin schon einige wenige. Doch selbst in der Nachspielzeit wird voll fair der Ball zur gegnerischen Mannschaft gespielt oder der Gegner umarmt, staunt der Kommentator. Und dann die T-Shirt-Geste des Österreichers Stefan Lainer, der sein Tor dem kollabierten dänischen Fußballstar Christian Eriksen widmete. Hätte es das früher gegeben? Vielleicht, wahrscheinlich ist es nicht.
Schulterklopfen für den Gegner, Trost für den Verlierer: Ob da Corona seine Finger im Spiel hat? Das wäre ja mal eine gute Seite der Pandemie. Mal schauen, ob es Blumensträuße im Finale gibt.