Mit einem bittersüßen Lächeln gratulierte Timo Boll den wieder einmal übermächtigen Chinesen, bevor er seinen Teamkollegen in die Arme fiel. Die deutschen Tischtennis-Herren sind im Olympia-Finale klar mit 0:3 an China gescheitert und haben wie schon 2008 Silber gewonnen. Nur drei von zwölf Sätzen gewonnen, lautete die enttäuschende Ausbeute.
Dennoch darf das deutsche Trio seinen zweiten Platz als großen Erfolg feiern. „Unser Team hat den chinesischen Drachen gekitzelt, mutig gegen ihn gekämpft, konnte ihn letztlich aber leider nicht zähmen“, sagte DTTB-Präsident Michael Geiger daheim in Deutschland. „In der Summe haben sich sowohl unsere Damen als auch unsere Herren in Tokio hervorragend präsentiert. Zwei Medaillengewinne sind ein hervorragendes Ergebnis.“ Nach Silber vor 13 Jahren und zweimal Bronze 2012 und 2016 ist es für die deutschen Männer im Mannschafts-Wettbewerb die vierte Medaille in Serie. In Tokio ist es die zweite nach dem Gewinn von Bronze für Spitzenspieler Dimitrij Ovtcharov im Einzel. Die Damen hatten das kleine Team-Finale um Bronze verloren.
Ovtcharov und seine Teamkollegen hatten gegen die chinesischen Goldmedaillen-Abräumer von der Sensation geträumt. Doch die Chinesen mit den ersten Drei der Weltrangliste waren wieder zu stark und steckten zum vierten Mal in der vierten Austragung dieses Wettbewerbs den Sieg ein. Einzel-Olympiasieger Ma Long polierte seine Sammlung mit der fünften Goldmedaille auf. Ovtcharov aber ist nun zum sechsten Mal mit olympischem Edelmetall dekoriert – diese Anzahl kann kein anderer Athlet im Tischtennis aufweisen. Schon das klare 0:3 im Doppel von Boll und Franziska durchkreuzte den Plan, die Nummer eins der Setzliste mit einem Auftaktsieg unter Druck zu setzen. Zwar hielt Boll gegen Ma Long auch am Schluss dagegen, gewann einen Satz und wehrte fünf Matchbälle ab. Doch letztlich war die Entscheidung dann in nur drei statt fünf möglichen Partien gefallen.