Von Jenny Theiler

Durch die Hallenluft fliegen spitze Bälle, flinke Beine springen von einer Ecke in die andere und Turnschuhe quietschen über den Boden. Beim Badminton-Training in Tröbitz kann es schon mal laut zugehen, wenn circa 20 gefederte Korkbälle hin und her geschlagen werden. Rasanter als ein Formel-Eins-Wagen sausen die Federbälle von Spieler zu Spieler und können bis zu 400 Kilometer pro Stunde erreichen.

Die Kinder und Jugendlichen in Tröbitz trainieren mit Spaß und Herzblut den schnellsten Sport der Welt und folgen den Anweisungen ihrer Trainer. Eine von ihnen ist Hannah Berge. Die 14-Jährige trainiert fünf bis sechs Mal pro Woche an der Seite ihres Vaters Thomas Riese. Im vergangenen Jahr hat die damals 13-Jährige den dritten Platz der Rangliste des Deutschen Badminton-Verbandes (DBV) in der Altersklasse U15 erreicht. Jetzt ist sie in die U17 aufgestiegen.

Kreativität spielt beim Badminton eine große Rolle. „Man muss erkennen wo der Ball hinfliegt, um sich dann für eine Lösung zu entscheiden, die wiederum den weiteren Verlauf des Spiels beeinflusst – und das alles innerhalb weniger Zehntelsekunden“, sagt Thomas Riese. Diese Mischung aus Balance, Körperbeherrschung und Denksport fasziniert auch Hannah Berge am Badminton. „Ich finde es sehr beeindruckend, dass man viel mit dem Kopf arbeitet und trotz aller Schnelligkeit auch Gefühl in das Spiel einbringen muss“, sagt die 14-Jährige. Das Badmintonspielen ist der Tröbitzerin in die Wiege gelegt worden, denn ihr Großvater ist der mehrmalige DDR-Meister im Federball Roland Riese.

„Mich musste nie jemand zum Badminton überreden, ich habe das immer selbst gewollt und es macht ja auch großen Spaߓ, betont die Nachwuchsspielerin. Der Spaßfaktor ist auch ihrem Vater und Trainer Thomas Riese wichtig. „Es bringt nichts, wenn die Spieler zu verbissen um ihre Ziele kämpfen und den Spaß an der Sache verlieren. Dann ist man mit sich selbst irgendwann auch nicht mehr zufrieden und kommt gar nicht weiter“, sagt der Sportlehrer.

Für heute ist Hannah mit dem Training zufrieden. „Zur Zeit arbeite ich daran sicher übers Netz zu spielen“, sagt sie. „Ich versuche mehr auf meine Beinarbeit zu achten, damit ich künftig mehr Kontrolle über die Spiele habe.“ Das hohe Trainingspensum beeinträchtigt nicht den Schulalltag der Jugendlichen. Wettkämpfe werden zeitnah der Schule mitgeteilt und die Hausaufgaben später nachgeholt. „Meine Lehrer haben Verständnis dafür und bisher habe ich auch immer alles pünktlich nachgeholt“, so die Schülerin. „Außerdem ist auch die Planung bei den Turnieren sehr gut durchdacht und die Mentalität unter Badminton-Spielern ist sehr locker“, ergänzt Thomas Riese.

Im vergangenen Jahr hat Hannah Berge europaweite Ranglistenturniere gespielt. Sie konnte unter anderem in Österreich, Estland, Zypern, Belgien, Dänemark und der Slovakai überzeugen und Punkte sammeln. „Die Turniererfahrung ist enorm wichtig. Man spielt nicht in der gewohnten Umgebung und muss lernen sich auf die neuen Gegener einzulassen, die alle andere Spielstile haben“, betont Thomas Riese. Bei ihrer ersten Deutschen Meisterschaft 2018, hat die damals 13-Jährige gezeigt, dass sie den hohen Anforderungen und der Konkurrenz durchaus gewachsen ist. Eine Zielvorgabe hatte sie jedoch nicht: “Bei der Deutschen Rangliste wollte ich zu viel und dann hat es in den entscheidenden Ballwechseln nicht so geklappt, wie ich das von mir kenne. Meine erste Deutsche Meisterschaft wollte ich deshalb erst einmal genießen und von Spiel zu Spiel denken.“

Am Ende hat es doch für zwei Bronzemedaillen – im Einzel und im Doppel – gereicht. In diesem Jahr spielt Hannah Berge erstmalig in der Altersklasse U17 und kämpft um den deutschen Titel. Dass sie auf ihrem Karriereweg von ihrem Vater trainiert wird, stört die 14-Jährige nicht. „Papa ist Papa und in der Halle eben mein Trainer. Da ist nichts dabei, wir können das trennen“, sagt die Schülerin locker. „Wir haben gelernt das Training nicht unbedingt am Abendbrotstisch auszuwerten, es sei denn wir diskutieren über die Erfolge“ ergänzt Thomas Riese schmunzelnd.

Der nächste Schritt in Hannahs Karriereentwicklung ist der Wechsel auf eine Sportschule. „Ich könnte mir gut vorstellen irgendwann auch mal hauptberuflich Badminton zu spielen, dazu brauche ich die ensprechende Ausbildung“, sagt sie. „Hannah ist sehr lernwillig. Sie kann Kritik sehr gut annehmen und findet langsam ihre Position zum Ball“, sagt Thomas Riese. Am kommenden Samstag spielt Hannah in Schweden beim Europe Circuit Turnier. Dort gehört sie zu den Jüngsten. „Das wichtigste ist, erstmal da sein und Erfahrungen und Punkte sammeln“, sagt die 14-Jährige.