von Julian Münz

Die Ruhe vor dem Sturm: Dass in Großkoschen in wenigen Wochen ein sportlicher Wettbewerb auf höchstem Niveau stattfinden wird, darauf deutet aktuell noch wenig hin. Und doch: Hier am Senftenberger See treffen sich Ende August die besten Radball-Vereine zum Weltcup. Ausrichter ist der hier heimische Verein RSV Großkoschen. „Das ist sozusagen die Champions League der Radballer“, erklärt der RSV-Mannschaftsbetreuer Lothar Zurek.

Dank des RSV ist der Sport im Senftenberger Ortsteil so präsent wie nirgendwo sonst in der Lausitz. „Hier kann man jeden auf der Straße zum Radball fragen. Die Leute wissen Bescheid“, sagt Vereinsmitglied Andrea Lehmann. Im weitesten Sinne ist es einem Hund zu verdanken, dass heutzutage Radball gespielt wird. „Einem Amerikaner ist ein Mops vor das Fahrrad gelaufen und er hat ihn mit dem Vorderrad weggeschoben. Dadurch ist ihm die Idee zum Radball gekommen“, erzählt Hans-Jürgen Lucas, der beim RSV als Schriftführer tätig ist, die Geschichte, wie der Sport im 19. Jahrhundert entstanden sein soll.

Gleichgewicht und Athletik gefragt

Wer sieht, wie beweglich die Radballspieler mit ihrem Fahrrad auch auf engstem Raum agieren und dabei platzierte und schnelle Torschüsse mit ihrem Vorderrad abgeben, der versteht, warum die Weltmeisterschaft in diesem Sport zusammen mit den Kunstradfahrern ausgetragen wird.

„Gleichgewicht, Athletik und Ausdauer“, nennen die Großkoschener die wichtigsten Eigenschaften, die man für den Sport braucht. Nicht anders als beim Fuß- oder Handball spielen die Teams hier in einem abgesteckten Feld in der Halle auf zwei quadratische Tore. Wer nach zwei Mal sieben Minuten die meisten Treffer erzielt hat, gewinnt. Die große Herausforderung: Die Spieler, jeweils zwei in einem Team, bewegen sich ausschließlich auf einem Fahrrad fort. Wer absteigt, muss zurück zum eigenen Tor fahren, bevor er wieder am Spiel teilnehmen kann. Bei einem Wettkampf mit nur zwei Spielern eine Auszeit, die möglichst verhindert werden sollte.

Nicht der erste Weltcup in der Lausitz

Für Loboda und seine Mitstreiter hat die Organisation des Weltcups in der Lausitz mittlerweile schon Routine. Bereits in den Jahren 2011, 2013 und 2016 machte die Veranstaltung in Großkoschen Station, 2014 fand sogar das Weltcup-Finale hier statt. „Nach dem ersten Weltcup in Großkoschen war der UCI so begeistert, dass uns gesagt wurde: Wenn ihr den Weltcup haben wollt, dann bekommt ihr ihn auch“, sagt er. Mit vielen anderen Vereinen haben sie als Ausrichter Kontakte geknüpft. „Beim Radball ist man wie eine große Familie“, schwärmt Andrea Lehmann.

In diesem Jahr ist der Wettbewerb eine eher kontinentale Angelegenheit. Mannschaften aus Tschechien, Österreich und der Schweiz reisen in die Lausitz, um sich mit der Elite des Radballsports zu messen. „Europa ist das Zentrum des Radballs. Es waren aber auch schon Mannschaften aus Japan dabei“, erzählt Hans-Joachim Loboda.

Großkoschen will in die Bundesliga

Der RSV Großkoschen schickt als Ausrichter mit Tobias Kolba und Norman Tuppatsch ebenfalls eine Mannschaft in den Weltcup. Nach dem Abstieg 2017 sind sie im Ligabetrieb gerade in der zweiten Bundesliga aktiv. Mit der will sich die Lausitzer Radballhochburg aber nicht zufrieden geben. „Wir streben schon an, wieder in die Bundesliga hochzukommen“, sagt der Vereinsvorsitzende. Der große Trumpf der Großkoschener ist aber die Jugendarbeit. „Hier sind wir deutschlandweit in der Spitze“, ist Loboda stolz. Für Furore sorgen dabei vor allem die 16-jährigen Tim und Eric Lehmann. Das Radball-Talent wurde den Zwillingen in die Wiege gelegt – Vater Andreas spielte selbst bis vor fünf Jahren Bundesliga-Radball beim RSV. Seine Söhne wurden im Frühling mit der Juniorennationalmannschaft Vizeeuropameister. Auch für die Zukunft steht in Großkoschen also schon ein schlagkräftiges und standfestes Team bereit.