Als DFB-Ausrüster adidas gestern einen seit Wochen geplanten Werbespot mit seinen Nationalmannschafts-Werbefiguren drehen wollte, fehlte nach einer erst in allerletzter Minute erteilten Erlaubnis des englischen Clubs ausgerechnet Hauptdarsteller Ballack.
Vorausgegangen war - nur eine Woche nach dem Wirbel um die Nichtnominierung Ballacks für die Champions League - eine Posse, die im Hintergrund Züge eines Machtkampfes vermuten lässt. Jedenfalls übte Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff scharfe Kritik am derzeitigen Umgang des FC Chelsea mit Ballack. "So verfährt man nicht mit einem deutschen Nationalspieler, auch nicht mit dem Kapitän der Nationalmannschaft, der international hohes Ansehen hat", sagte Bierhoff. Auch das Verhalten gegenüber dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und Sportartikel-Hersteller adidas, der auch Chelsea ausrüstet, rügte Bierhoff in scharfem Ton: "Es ist nicht in Ordnung, dass sie so mit uns und auch mit ihrem Partner adidas verfahren. Anscheinend hat der Verein andere Methoden."
Ballack war am Sonntagabend aus dem Nationalmannschafts-Quartier in Köln abgereist, weil bis dahin kein grünes Licht von Chelsea für den Drehtermin gestern im "Schlosshotel Lerbach" in Bergisch Gladbach vorgelegen hatte. Man habe ein Fax von der Assistentin des im Urlaub befindlichen Chelsea- Geschäftsführers Peter Kenyon erhalten, "dass der Verein nicht die Freigabe erteilt", berichtete Bierhoff. Daraufhin sei der 30-jährige Ballack "richtigerweise" nach London zurückgeflogen, "weil er dort keinen weiteren Streit forcieren wollte", wie Bierhoff erzählte.
Gestern überschlugen sich dann die Ereignisse. Nach Gesprächen auf höchster Ebene zwischen den Geschäftspartnern Chelsea und adidas stimmte der Club doch noch Ballacks Teilnahme zu. Ein vom Herzogenauracher Unternehmen in London bereitgestellter Learjet nahm den Mittelfeldspieler dennoch nicht an Bord, um ihn wieder zurück nach Deutschland zu fliegen. Adidas übermittelte dafür folgende Begründung: "Selbstverständlich haben wir uns um die Teilnahme von Michael Ballack bemüht. Da für uns die Gesundheit der Spieler höchste Priorität genießt, haben wir uns in Absprache mit allen Beteiligten jedoch dazu entschieden, Michael die Möglichkeit zu geben, sein Reha- Programm in London fortzusetzen." (dpa/noc)