Ralf Hantschke ballte nach dem Erfolg seiner Landshuter die Siegerfaust in Richtung Hallendecke – Corey Neilson verließ dagegen mit gesenktem Blick die Arena und übte später Selbstkritik.

Das DEL2-Heimspiel am Vorabend des 3. Oktober war für die Lausitzer Füchse alles andere als ein sportlicher Feiertag. Beim 4:5 nach Verlängerung retteten die Gastgeber in der hochdramatischen Schlussphase zwar zumindest noch einen Punkt. Trotzdem steht für sie ein missglückter Saisonstart zu Buche. Nur zwei Siege aus den ersten sechs Spielen – das ist eine Ernüchterung nach der Euphorie in der starken Vorsaison.

Selbst gegen den Aufsteiger aus Landshut zeigten die Füchse am Mittwochabend vor 2421 Zuschauern eklatante Schwächen in der Defensive sowie im Abschluss vor dem gegnerischen Tor. „Das bessere Team hat gewonnen. Landshut war heute klar besser als wir“, bilanzierte Coach Corey Neilson und nahm den Großteil der Schuld für diese verdiente Niederlage auf sich: „Wir waren nicht gut organisiert, das enttäuscht mich. Es ist meine Aufgabe, das Team einzustellen, damit die Spieler gut zusammen arbeiten. Ich bin frustriert.“ Eine bemerkenswerte Selbstkritik!

Gefragt ist nun eine schnelle Reaktion. Denn auf Weißwasser wartet nach dem verpatzten Mittwoch-Spieltag ein schweres Wochenende. Am Freitag spielen die Füchse beim amtierenden Meister in Ravensburg (20 Uhr). Am Sonntag kommt der entthronte Tabellenführer Bietigheim in den Fuchsbau, der nach der 2:10-Klatsche am Mittwoch in Kassel gehörig unter Druck steht.

Ansatzpunkte für Corey Neilson, um in die Erfolgsspur zu finden, gibt es viele. Gegen Landshut konnten die Gastgeber nur in der Anfangsphase mit schnellem Kombinationsspiel überzeugen. Aber schon hier zeigte sich das wohl größte Problem des Teams neben der wackligen Defensive: Den Füchsen fehlt derzeit der kompromisslose Druck in Richtung Tor. Der Puck läuft und läuft. Und läuft. Die Ausbeute ist jedoch zu gering, weil das Spiel insgesamt zu kompliziert angelegt ist.

Immerhin zeigten die Füchse eine intakte Moral. Denn in der Schlussphase sahen sie eigentlich schon wie die Verlierer aus, als Josh McFadden in der 59. Minute das 4:2 für Landshut erzielte. In der letzten Spielminute retteten sich die Gastgeber dank der Treffer von  Darcy Murphy und Robert Farmer aber doch noch in die Verlängerung. Hier kam dann allerdings nach nur 18 Sekunden der K.o. durch Alexander Ehl. Der Zusatzpunkt in der Verlängerung ging nach Landshut.

„Bei dieser Schlussphase fehlen mir die Worte. Aber es ist das Schöne am Eishockey, dass es solche Situationen gibt. Über die turbulente Schlussphase wird man sicher noch lange reden“, sagte Gäste-Trainer Axel Kammerer und freute sich nicht zuletzt für EVL-Geschäftsführer Ralf Hantschke: „Für ihn war es natürlich ein besonderes Spiel in der Heimat.“

Hantschke, der für Weißwasser gespielt und später viele Jahre als Sportlicher Leiter gearbeitet hat, verfolgte von der Tribüne aus die ersten Landshuter Tore sehr unaufgeregt – aus Respekt vor seinem Heimatverein. In der Schlussphase wurde dann jedoch auch Hantschke  von der Dramatik gepackt und ballte die Fäuste, als der Sieg des Aufsteigers feststand. Sein Fazit: „Ich denke, wir haben verdient gewonnen, weil wir mehr Spielanteile hatten. Leider haben wir zu früh mit dem Spiel abgeschlossen. Deshalb ging es doch  noch in die Verlängerung.“

Neben zwei Punkten nahm Ralf Hantschke ein gutes Gefühl mit auf die Rückreise in seine Wahlheimat nach Niederbayern. Das erste Gastspiel als Gegner an der einstigen Wirkungsstäte war für ihn wie erwartet sehr emotional. „Es ist schon etwas ganz Besonderes, wenn man in diese Halle zurückkehrt, die wir damals gemeinsam aufgebaut haben. Es gab viele freundliche Worte von den ganzen Leuten, das war ein schönes Gefühl und zeigt, dass ich mich damals mit Anstand verabschiedet habe“, betonte Hantschke.