Die Lausitzer Füchse wollen im Viertelfinale gegen den ESV Kaufbeuren die ohnehin schon starke Saison in der DEL2 endgültig krönen. Klar scheint schon jetzt: Die am Freitag startenden Playoffs sind für die Weißwasseraner Fans wahrscheinlich die letzte Gelegenheit, sich am aktuellen Erfolgsteam zu erfreuen.

Denn der Leistungssprung hat natürlich Begehrlichkeiten geweckt – bei den Spielern selbst, aber auch bei anderen Vereinen. Füchse-Geschäftsführer Dirk Rohrbach geht jedenfalls davon aus, dass sich das Gesicht der Mannschaft im Sommer gravierend verändern wird. „Wir würden natürlich gern 70 bis 80 Prozent des aktuellen Kaders halten. Doch das wird schwer. Es ist nicht auszuschließen, dass uns bis zu 50 Prozent der Spieler verlassen“, blickt Rohrbach auf die schwierigen Vertragsgespräche voraus.

Das Problem aus Weißwasseraner Sicht: Die Lausitzer Füchse können zwar dank der guten Zuschauerzahlen sowie des auf 200 Firmen angewachsenen Sponsorenpools auch in der kommenden Saison wieder mit einem Gesamtetat von etwa 2,7 Millionen Euro planen. Aber durch den sportlichen Höhenflug haben die meisten Spieler ihren Marktwert erhöht. Sie können entsprechend der Gesetze des Marktes also eine höhere Dotierung ihres Vertrages für die kommende Saison verlangen.

Etwa 800 000 Euro geben die Füchse in dieser Spielzeit für den aktuellen Kader aus und damit so viel wie noch nie. Doch selbst diese Summe dürfte nicht ausreichen, um das Team auch nur annähernd zusammenzuhalten. Lediglich Stürmer Clarke Breitkreuz hatte im Sommer ein auch für 2019/20 gültiges Arbeitspapier unterschrieben. Die Verträge aller anderen Spieler laufen nach den Playoffs aus.

Für Geschäftsführer Dirk Rohrbach ist diese Sachlage aber nicht überraschend. „So ist nun mal der Lauf der Dinge. Wir müssen damit leben, dass die Spieler uns als Sprungbrett sehen. Es ist deshalb nicht ungewöhnlich, wenn sie nur für einen überschaubaren Zeitraum in Weißwasser spielen“, erklärt Rohrbach.

Dass sich Leistungsträger wie Topscorer Jeff Hayes, Torwart-Talent Olafr Schmidt oder Verteidiger Chris Owens in das Blickfeld anderer Vereine katapultiert haben, ist letztlich auch ein Beweis für die gute Arbeit in Weißwasser. Mit 92 Punkten nach der Hauptrunde waren die Füchse so erfolgreich wie noch nie.

Doch gerade wegen dieser Erfolge dürfte der Neuaufbau im Sommer alternativlos sein. Vor zwei Jahren war die Ausgangslage übrigens ähnlich. Nach Rang elf im Vorjahr avancierte Weißwasser als Tabellensechster unter dem neuen Trainer Hannu Järvenpää zum Überraschungsteam der DEL2.

Das Ergebnis ist bekannt: In der folgenden Saison legten die Füchse einen katastrophalen Start hin. Der personelle Neuaufbau unter Järvenpää ging in die Hose, Ende November warf der Finne hin. Sein damaliger Assistenztrainer Robert Hoffmann wurde zum Chef befördert und führte das Team in den Playdowns immerhin zum Klassenerhalt.

Geschäftsführer Dirk Rohrbach weiß natürlich um den damaligen Absturz - und er hat seine Lehren daraus gezogen. „Wir haben uns damals mehrheitlich für preiswerte Spieler auf den Ausländerpositionen entschieden. Im Nachhinein wissen wir, dass es ein Fehler war. Wenn wir jetzt in diesem Bereich tauschen müssen, dann werden wir alles daransetzen, adäquaten Ersatz zu holen“, betont Rohrbach und versichert: „Ich bin überzeugt, dass wir auch in der kommenden Saison wieder einen Top-Kader haben werden.“

Inwieweit Erfolgstrainer Corey Neilson diesen Neuaufbau begleiten wird, ist noch völlig offen. Der am Wochenende als „Trainer des Jahres“ ausgezeichnete Kanadier hatte in der RUNDSCHAU bestätigt, dass er Angebote von anderen Clubs vorliegen hat. Allerdings versprach Neilson in diesem Zusammenhang auch, dass er nicht zu einem Liga-Konkurrenten wechseln werde: „Wenn ich kommenden Saison in der DEL2 coache, dann wird es in Weißwasser sein.“

Geschäftsführer Rohrbach bestätigt „intensive Gespräche“ mit dem Coach – allerdings ohne eine Einigung. Eine Entscheidung werde erst nach den Playoffs fallen. „Ich schätze unsere Chancen nicht so schlecht ein“, gibt sich Rohrbach kämpferisch.