Torhüter Andreas Luthe hat in seiner langen Karriere als Profifußballer schon viele Höhen und Tiefen erlebt. Und dennoch – die Vorbereitung auf das Bundesligaspiel am Sonntag beim 1. FC Köln (17.30 Uhr) dürfte vor allem mental zu den anspruchsvollsten Aufgaben gehören, welche der 34-jährige Keeper des 1. FC Union Berlin bislang zu bewältigen hatte.
Denn innerhalb von nicht einmal 72 Stunden muss Luthe einen echten Slapstick-Gegentreffer verarbeiten. Es war ein Tor, das den Eisernen nicht nur die 1:2-Niederlage in der Conference League gegen Feyenoord Rotterdam bescherte, sondern wahrscheinlich auch das Aus in diesem europäischen Wettbewerb bedeutet.

Union Berlin benötigt zwei Siege

„Man braucht sich nur die Tabelle anzuschauen. Wir benötigen jetzt zwei Siege aus den letzten beiden Spielen und müssen dann schauen, was passiert“, sagte Trainer Urs Fischer mit Blick auf die verbleibenden Partien bei Maccabi Haifa am 25. November und gegen Slavia Prag (9. Dezember). Sein Team ist durch die „unnötige Niederlage“ (Fischer) auf den letzten Tabellenplatz der Gruppe E abgerutscht.
Dabei sah es am Donnerstag im Olympiastadion lange Zeit so aus, als sollte die Partie gegen den niederländischen Traditionsclub vor allem als Hochsicherheitsspiel in die Vereinsgeschichte eingehen. Rund 2000 Polizisten und 800 Ordner versuchten, die gut 5000 schwarz gekleideten Gäste-Fans im Stadion und in der Stadt irgendwie in den Griff zu bekommen. Das gelang so einigermaßen. Die dicken Rauchwolken der Pyrotechnik, welche die Arena direkt nach Spielbeginn verhüllten, vermochten allerdings auch sie nicht zu verhindern.

Fehler von Torhüter Andreas Luthe

Auf eine schlechte Sicht konnte sich Andreas Luthe bei seiner Slapstick-Einlage in der 72. Minute dennoch nicht berufen. Nach dem Ausgleich durch Kapitän Christopher Trimmel kurz vor der Pause waren die Köpenicker drauf und dran, den Siegtreffer zu erzielen. Doch dann musste der Torhüter einen Rückpass von Marvin Friedrich verarbeiten, wie er es schon hundertfach in seiner Karriere gemacht hat. Den Ball annehmen, sich vorlegen und dann zum Mitspieler weiterleiten. So einfach geht das – normalerweise. Dieses Mal jedoch rutschte Luthe auf dem vom Dauerregen aufgeweichten Rasen aus, legte den Ball unfreiwillig für Cyriel Dessers vor und musste dann das 1:2 als Zuschauer verfolgen.
Passend zu diesem dramatischen Fehler des Torhüters wählte Mittelfeldspieler Rani Khedira derbe Worte. „Das kann passieren auf diesem beschissenen Platz, da kann Andy nichts dafür. Er hatte schon die längsten Stollen von uns allen“, sagte er.
Die Polizei war wie hier vor dem Fanblock von Feyenoord Rotterdam mit 2000 Kräften im und am Olympiastadion präsent.
Die Polizei war wie hier vor dem Fanblock von Feyenoord Rotterdam mit 2000 Kräften im und am Olympiastadion präsent.
© Foto: www.imago-images.de

Union Berlin spielt am Sonntag in Köln

So kann man es natürlich sehen. Man kann aber auch die Frage stellen: Warum bringen die Mitspieler ihren Torhüter angesichts der schwierigen Bodenverhältnisse überhaupt in so eine brenzlige Situation? Trainer Urs Fischer mochte sich bei seiner Fehler-Analyse jedenfalls nicht auf die Slapstick-Einlage von Luthe beschränken. Den Schweizer störten neben den beiden späten Platzverweisen von Christopher Trimmel (87. Minute) und Cedric Teuchert (89.) vor allem die vielen vergebenen Chancen in der Offensive.
Denn die Eisernen spielten zwar mit viel Leidenschaft – aber ohne die nötige Konzentration im Abschluss. „Fußball ist ein Fehlerspiel. Wenn du deine Chancen nicht nutzt, dann ist das letztlich auch ein Fehler“, kritisierte der Schweizer. Dennoch wusste natürlich auch er, dass vor allem dieser eine Fehler von Luthe das Spiel entschieden hatte.  „Wir haben heute einen Fehler zu viel gemacht“, räumte Fischer ein.
Die Frage bei Union Berlin vor dem Spiel am Sonntag in Köln lautet nun:  Wie steckt der Torhüter diesen folgenschweren Patzer weg? Seine jahrelange Erfahrung dürfte Andreas Luthe dabei eine wichtige Hilfe sein. Vorwürfe aus der Mannschaft gab es jedenfalls keine. Im Gegenteil. Zur Aufmunterung griff Rani Khedira noch einmal in die Kiste mit den derben Worten. „Andy ist so gestanden und erwachsen, dass er uns auch am Sonntag wieder den Arsch retten wird“, ist der Mittelfeldspieler überzeugt. Trotzdem sollten Eisernen vorsorglich einen Blick auf den Wetterbericht werfen.
Alle Infos zu Union Berlin gibt es auf der MOZ-Themenseite.