Von Peter Aswendt

Es gibt wohl niemanden, der in der Lausitz den Turnsport so geprägt hat wie Horst Fache aus Lauchhammer. Ein Grund, um seinen 85. Geburtstag, den er an diesem Freitag feiert, als Anlass zu nehmen, einen Blick auf sein sportliches Leben zu werfen.

Erstaunlich ist, dass er mit seinen 85 Jahren immer noch als Trainer des Nachwuchses aktiv ist. Und der Turnernachwuchs schwört auf seinen Rat. Dabei musste Horst Fache im vergangenen Jahr der linke Unterschenkel amputiert werden – was ihn aber nicht davon abhält, im Rollstuhl in der Waldturnhalle des Turn- und Gymnastikvereins Lauchhammer 92 ein Auge auf seine Turner zu werfen.

„Horst braucht die Turnhallenluft“, erzählt Lothar Richter, der Vorsitzende des Vereins, lachend. Dass Horst Fache nur wenige Monate nach der Operation schon ohne Hilfe in seine geliebte Waldturnhalle gehen kommen kann, zeigt, wie gut der 85-Jährige immer noch in Form ist.

Dabei kommt Horst Fache nicht unbedingt aus einer Familie mit Sportambitionen. Geboren wurde er 1934 im schlesischen Örtchen Klein Bresa (Brzezica). Mit seiner Familie kam er 1936 nach Lauchhammer, aufgrund einer neuen Arbeitsstelle seines Vaters in den Ferro Legierungswerken. Mit dem Ende der Kriegswirren begann für Horst Flache ein neuer sportlicher Lebensabschnitt: „In Bockwitz, wo wir lebten, wurde ein neuer Verein gegründet, der sich mit Turnen und Handball beschäftigte“, erinnert sich der Jubilar. Maßgeblich am Start der turnerischen Karriere von Horst Fache ist der damalige Trainer Alex Niemann: „Er hat Jungs für den Verein gesucht und da habe ich mitgemacht“, beschreibt Fache ganz pragmatischen seinen Start in die Sportwelt.

Bis 1952 fuhr er dann sportlich zweigleisig: „Im Sommer haben wir Handball gespielt und im Winter haben wir geturnt.“ Aber schon vorher gab es bemerkenswerte Erfolge im Turnen; mit dem ersten Kreismeistertitel im Jahr 1948 macht der junge Horst Flache auf sich aufmerksam.

Da es zur damaligen Zeit üblich war, nach der 8. Klasse in die Lehre zu gehen, war auch für Horst Flache eine Berufsausbildung als Maschinenschlosser der nächste Schritt in seinem Leben. „Damals hatten meine Ausbilder schon gemerkt, dass ich gut andere Menschen anleiten kann“, beschreibt er einen markanten Einschnitt in seinem Leben. Er wurde nämlich nach Halle delegiert, machte dort die 10. Klasse nach, studierte Lehramt und war voran Sportlehrer.

1953 ging es dann zurück in die Lausitz: „Ich habe meine Frau Helga geheiratet und wollte in Lauchhammer bleiben“, beschreibt er seinen Entschluss. Als Sportlehrer an der damaligen Ingenieurschule in Senftenberg gelang ihm das auch.

Sportlich gab Horst Fache im neu formierten Verein BSG Aktivist Lauchhammer so richtig Gas. Resultat: Er wurde in das damalige Leistungszentrum für Turner zum Sportklub Brieske/Senftenberg delegiert. Der junge Turner aus Bockwitz (Lauchhammer) turnte sich bis in den deutschen B-Kader hoch. Mehr als zehn Jahre dominierte er im damaligen Bezirk Cottbus als Meister: „Wenn Fache antrat, war der Sieg weg“, erinnert sich amüsiert Vereinschef Richter.

20 Mal nahm Fache an DDR-Meisterschaften teil und errang einen fünften Rang im Mehrkampf. Nach seinem Karriereende 1992 standen sagenhafte 386 Wettkämpfe zu Buche. Seinen letzten Wettkampf machte der Lausitzer übrigens 1992 in Dortmund beim Seniorenturnen.

Parallel dazu begann Horst Fache schon als Trainer und Kampfrichter zu arbeiten. Seine Erfahrungen brachten deutschlandweit bekannte Turnerinnen und Turner hervor und Lauchhammer wurde zum Leistungszentrum für den Turnernachwuchs. Namen wie Bernd Schiller, Annelore Zinke, Stefen Logk oder Jana Fuhrmann sind durch die Schule von Horst Fache gegangen und haben heute noch einen guten Klang in der Turnerwelt.

Mit dem Ende des aktiven Wettkampfes begann im Jahr 1992 eine andere Vereinskarriere für den leidenschaftlichen Turner. In der Nachwendezeit entstand aus der Sektionen Turnen des ehemaligen Vereins Aktivist der Turn- und Gymnastikverein Lauchhammer 92 e.V. „Ich bin 1992 auch Rentner geworden und hatte Zeit“, so Fache. Heraus kam, dass er als Hauptkassierer ein Hauptamt übernahm und die Waldturnhalle in Lauchhammer sein zweites Zuhause wurde. Seine vier Kinder haben natürlich auch alle eine turnerische Laufbahn eingeschlagen. Jetzt freut er sich aber auch über sieben Enkel und zwölf Urenkel: „Ich muss meiner Familie und meiner Frau sehr dankbar sein, dass sie mich immer unterstützt haben“, zeigt er sich gerührt.

Natürlich ist er bis heute Trainer, Mentor und Freund der Turnerjugend in Lauchhammer. Noch immer gibt es einen gefürchteten Satz von ihm, wenn seine jungen Schützlinge ihm von einer gelungenen Übung erzählen: „Ich will‘s nicht hören, ich will es sehen“, kommt dann die Standardantwort.

Horst Fache liebt das Turnen, weiß aber, wie hart Erfolg erkämpft werden muss. Das macht ihn auch mit 85 Jahren noch zu einem geschätzten Fachmann.