Der vierfache deutsche Meister in diesem Box-Limit hat sich seine WM-Chance redlich verdient. In dieser Saison dominierte er seine Gewichtsklasse deutlich und die Verantwortlichen des Deutschen Amateurboxverbandes (DABV) konnten gar nicht anders, als ihn zu nominieren. „Das war natürlich mein Saisonziel, endlich bei einem Weltchampionat zu boxen“ , sagt der 22-jährige Azubi.
Souverän beherrschte der Schützling von BCC-Trainer Dietmar Schnieber die nationale Konkurrenz und auch gegen kubanische Junioren-Boxer machte er eine gute Figur. Zuletzt weilte er mit den anderen Auswahlkämpfern zum Sparring in Frankreich. „Das hat mir auch einiges gebracht“ , sieht es Rico, wie ihn seine Freunde nennen. Deshalb sieht er den Tagen in China mit einigem Optimismus entgegen. „Ich träume vom Viertelfinale, eine Medaille wäre das Größte“ , umreißt er seine Wünsche.
Um aber ins Viertelfinale zu gelangen, muss der BCC-Mann mindestens zwei Runden überstehen. „Dazu braucht es ein wenig Losglück und gute Nerven“ , weiß Trainer Dietmar Schnieber, der Wagner bei der WM nicht am Ring betreuen kann. „Das ist schade, dass das nicht geht, doch Rico weiß, was er kann, ist sehr selbständig und kann das auch im Ring zeigen. Wir werden, sooft es geht, miteinander telefonieren, vielleicht kann ich ihm ja auch ein wenig akustische Hilfestellung geben“ , meint der erfahrene Trainer.
Wagner ist mit der Auswahl bereits am 1. November in den Fernen Osten gestartet. „Zunächst geht es auf die Philippinen, wo wir uns akklimatisieren wollen und uns für die ersten Kämpfe gezielt vorbereiten werden“ , erzählt Wagner. Der einzige Brandenburger Boxer bei der WM weiß, dass ihm in Cottbus viele Fans, sein Vater als Box-Experte und seine Freundin Constanze die Daumen drücken. „Das hilft bestimmt“ , ist er sicher.
Sollten die Träume von Enrico Wagner in Erfüllung gehen, bedeutet das aber keinesfalls das Ende seiner Amateur-Laufbahn und den Beginn einer Profi-Karriere. „Ans Profiboxen denke ich noch nicht. Ich will bei Olympia 2008 in Peking dabei sein und bis dahin mit meiner Berufsausbildung bei Vattenfall soweit wie möglich kommen“ , setzt er seine persönlichen Prioritäten. Er schließt allerdings nicht aus, dass bei konstanter Leistungsentwicklung sein Weg ihn einmal zu den Profis führen kann.
Doch zunächst warten auf den Cottbuser vom 11. bis zum 22. November elf Tage voller WM-Anspannung. „Die stärksten Gegner kommen wohl aus den ehemaligen GUS-Staaten und aus Kuba“ , wirft Wagner einen Blick auf die Konkurrenz und ergänzt: „Wenn ich in Runde eins nicht gerade den Titelverteidiger erwische, traue ich mir einiges zu. Und ich will versuchen, hinter meine gute Saison einen würdigen Schlusspunkt zu setzen.“