Denn das Ticket nach Dubai ist gewissermaßen auf dem Kunstrasen in der Halle gewachsen. „Wir haben in der kurzen Zeit insgesamt vier Turniere gespielt. Das ist sehr viel und der kontinuierlichen Vorbereitung auf die Rückrunde nicht unbedingt dienlich. Aber mit den Antrittsgeldern und Prämien hat die Mannschaft ihren Teil zur Finanzierung des Trainingslagers beigetragen“ , betont Sander.
Gerade deshalb will der Coach seine Spieler jetzt ganz besonders in die Verantwortung nehmen. Nach den personellen Rückschlägen in den vergangenen Tagen soll das Team in der Wüste wieder zusammenwachsen. „Die Mannschaft muss sich finden und eine Einheit werden“ , lautet die Vorgabe von Sander, der deshalb in erster Linie taktische Übungen in den Vordergrund stellen will. „Ich bin froh, dass wir jetzt hier sind und von zu Hause nicht so viel mitbekommen“ , erklärte Sander mit Hinweis auf die jüngsten Querelen beim Lausitzer Verein. "Die Mannschaft braucht jetzt Ruhe, die hätte sie in Cottbus nicht gehabt."
Angesichts des Schuldenbergs von 5,5 Millionen Euro ist der Wüsten-Trip nicht unumstritten - sowohl finanziell als auch sportlich. Das weiß auch die Vereinsführung. Sie verweist jedoch auf die optimalen Rahmenbedingungen und erhofft sich in der schwierigen Zeit zudem etwas Sonne für die Seelen der Profis. „Wer gute Leistungen einfordert, muss auch gute Bedingungen in der Vorbereitung schaffen“ , meint Manager Klaus Stabach mit Blick auf die Annehmlichkeiten im Jebel Ali Hotel. Die weitläufige Anlage liegt fernab der aufgeregten Innenstadt von Dubai und bietet alle Voraussetzungen für eine perfekte Fitness. Auch der Trainingsplatz lässt sich über die Autobahn bequem in zehn Minuten erreichen. „Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt hier einfach“ , ist sich Stabach sicher. Trotz der aktuellen Diskussionen um seine Person (die RUNDSCHAU berichtete) reiste er wieder wie gewohnt mit dem Team nach Dubai. Präsident Dieter Krein indes blieb entgegen der sonstigen Gepflogenheiten diesmal zu Hause.
Außerdem konnte sich Energie diesmal offenbar ganz besonders preisgünstig in die Fünf-Sterne-Anlage einmieten. Mit rund 65 000 Euro, so Stabach, kostet der Aufenthalt nur halb so viel wie im vergangenen Jahr. „Wenn wir dieses Topangebot nicht bekommen hätten, wäre Dubai diesmal sicher nicht möglich gewesen“ , räumt der Manager ein. Eingefädelt hat den Deal übrigens mit Brian Eylert der Spielerberater von FCE-Kapitän Gregg Berhalter. Er pflegt seit Jahren freundschaftliche Kontakte zu Gerhard H. Hardick, dem General-Manager des Jebel Ali Hotel. Hardick schnürte den Lausitzern ein attraktives Paket mitsamt Trainingsplatz und den nötigen Transfers. Dieses Paket sei laut Stabach so preiswert, „dass wir bescheuert gewesen wären, wenn wir es abgelehnt hätten.“
Zumal die Sonne für die Seele wie erhofft bereits gestern Vormittag beim ersten Training kräftig strahlte. Bei knapp 25 Grad konnten bis auf die angeschlagenen Adebowale Ogungbure (Oberschenkelzerrung) und Vragel da Silva (Sonderprogramm nach Mandel-OP) alle Spieler das volle Pensum absolvieren. „Die perfekte Rasenqualität beugt natürlich auch weiteren Verletzungen vor. In Deutschland hat man diese Gewähr im Winter nicht“ , meint Mannschaftsarzt Dr. Hartmut Thamke. Gleichwohl sei die späte Rückkehr in die Lausitz erst fünf Tage vor dem Rückrunden-Beginn „ein gewisses Problem“ . Mit Vitaminpräparaten und Mineralien soll den Profis deshalb der Temperaturwechsel am Dienstag in einer Woche so leicht wie möglich gemacht werden.
Ursprünglich wollte der FCE ohnehin schon eher nach Dubai fliegen. Die finanziellen Zwänge brachten jedoch zusätzliche Hallenturniere auf die Tagesordnung. „Wägt man all diese Dinge gegeneinander ab“ , so ist Dr. Hartmut Thamke nicht nur aus medizinischer Sicht überzeugt, „war es trotzdem die richtige Entscheidung, hierher nach Dubai zu fliegen.“ Den Beweis für diese These müssen die Spieler spätestens ab dem 23. Januar beim Rückrunden-Auftakt gegen im Heimspiel den 1. FC Köln antreten.