Am Ende seiner Reck-Übung wurde der Top-Favorit bei zu glatter Stange beim Abgang zu zeitig vom Gerät gerissen, konnte seine Drehungen zum Doppelsalto nicht absolvieren und landete schmerzhaft auf dem Rücken. "Das Wichtigste ist, dass er keine Verletzungen davon getragen hat", meinte Cheftrainer Andreas Hirsch nach dem kurzen Schock. Hambüchen war in Vorkampf und Team-Finale (jeweils 15,90) mit den Höchstnoten am Reck bedacht worden und galt aufgrund des hohen Schwierigkeitsgrades seiner Übung auch in Peking als Gold-Kandidat. "Schade. Aber das war ein Missgeschick, keine Substanzfrage. Er hat hier ansonsten alles voll auf den Punkt gezogen. Und wäre die Stange nicht so glatt gewesen, dann hätten wir heute unsere Hymne gehört", bedauerte Hirsch.
Auch Hambüchen, der zunächst minutenlang fassungslos neben dem Gerät stand, fand schnell seine Worte wieder. "Schon während der Übung habe ich gemerkt, dass mit der Stange irgendwas nicht stimmt. Ich wollte beim Abgang statt zwei Schrauben nur eine turnen, aber es hat nicht gereicht. Das ist bitter, aber es gibt Schlimmeres", sagte der deutsche Ausnahme-Turner nach seinem Missgeschick und beklagte, dass in Peking kein Warm-Up an den Geräten möglich war.
Glänzend präsentierte sich der Berliner Brian Gladow vom SC Cottbus, der als Vierter nur haarscharf das Siegerpodest verpasste. Mit 15,00 Punkten erhielt er die gleiche Wertung wie der drittplatzierte Japaner Kazuhito Tanaka, wurde aber aufgrund der schwächeren B-Note für die Ausführung hinter ihm eingeordnet. Der Sieg ging an den Südkoreaner Kim Jihoon (15,45).
Insgesamt können die deutschen Turner beim späten Saison-Höhepunkt jedoch eine positive Bilanz verbuchen. Neben den vier Finalplätzen für Hambüchen und Gladow stimmte auch der fünfte Platz im Team-Wettbewerb, unter anderem mit dem Cottbuser Robert Juckel, zuversichtlich. Anja Brinker (Herkenrath/5.) und Marie-Sophie Hindermann (Tübingen/6.) sorgten mit ihren Finalplätzen am Stufenbarren zudem für die herausragenden Ergebnisse der deutschen Frauen.
"Der Höhepunkt war die WM. Natürlich wollten wir uns gut präsentieren. Aber wichtiger war, hier das gesamte Umfeld, die Halle, die Versorgung und den Verkehr kennenzulernen. Insgesamt haben wir ein gutes Feeling, Ungewissheiten bleiben die trockene Luft und der Smog", sagte Chefcoach Hirsch.