"Es ist unmöglich, einen klaren Favoriten zu benennen", sagte Vettel vor dem Saisonstart am Sonntag in Australien. Der Hesse spürt die ungeduldige Konkurrenz im Nacken, die in den kommenden 19 Rennen endlich die Erfolgsserie des Red-Bull-Piloten stoppen will.

Schon der erste Auftritt des jüngsten Dreifach-Champions der Geschichte im Fahrerlager von Melbourne am Donnerstag dürfte den Ton für die neue Saison setzen. In der Eröffnungs-Fragestunde des Weltverbands trifft Vettel gleich auf fast alle seiner vermeintlich schärfsten Rivalen. Vize-Weltmeister Fernando Alonso wird ebenso zum verbalen Schaukampf gebeten wie die neue Mercedes-Hoffnung Lewis Hamilton, Lotus-Sonderling Kimi Räikkönen und Vettels Red-Bull-Teamkollege Mark Webber.

In der illustren Runde fehlen eigentlich nur der dreimalige Australien-Gewinner Jenson Button im McLaren und der zweite Silberpfeil-Fahrer Nico Rosberg. Beide werden ebenfalls als Kandidaten für Siege in diesem Jahr gehandelt. "Ich habe wie alle anderen nicht die blasseste Ahnung, wer es schaffen wird. Macht das nicht die Spannung aus?", meinte Chefvermarkter Bernie Ecclestone.

Etwas mehr als 100 Tage ist es gerade einmal her, dass sich Vettel im Thriller-Finale von Brasilien erneut die WM-Krone schnappte. Nun begibt er sich auf die Spuren von Michael Schumacher und Juan Manuel Fangio, die bislang als einzige vier WM-Triumphe nacheinander feiern konnten. Vettel aber wäre wieder einmal der Jüngste in diesem Kreis.

Auf eine Alleinfahrt wie einst 2011 kann der Titelverteidiger in den nächsten neun Monaten allerdings nicht hoffen. Vor allem Dauerrivale Alonso sprühte zuletzt nur so vor Zuversicht. "Ich bin besser vorbereitet, stärker motiviert, einfach besser als letztes Jahr", tönte der Ferrari-Star. Zur Erinnerung: Im Vorjahr fehlten dem Asturier nur drei Punkte auf Weltmeister Vettel.

Zudem zeigte sich Alonso sicher, in diesem Jahr auch ein besseres Auto als in der vergangenen Saison zu haben. Konkrete Prognosen zum wahren Kräfteverhältnis allerdings wagt derzeit niemand. "So wenig aufschlussreich wie nie zuvor" seien die Wintertests gewesen, urteilte Vettel. Gerade sein Team pokerte, zeigte sich nur selten an der Spitze der Zeitenlisten und ließ viele Fragen offen. Der RB9 ist eine sanfte Weiterentwicklung des Vorjahresmodells, die Verfolger gingen offenbar radikalere Wege.

Besonders Mercedes überraschte in der Saisonvorbereitung mit starken Auftritten. Neuzugang Hamilton habe das umformierte Werksteam "inspiriert", befand Zampano Ecclestone via "Bild"-Zeitung. "Ich habe Mercedes gesagt: Wenn ihr Lewis holt, dann bekommt ihr in Zukunft auch die richtige Art von Mitarbeitern. Leute, die glauben, dass sie von jetzt an in einem Siegerteam arbeiten", erklärte Ecclestone.

Wie alle anderen aber wird auch Mercedes seine Testform in Australien erst einmal bestätigen müssen, bei 20 Grad höheren Temperaturen und auf einem Stadtkurs mit ganz eigenem Charakter. Die Tage von Melbourne sind ein Herantasten an die Wahrheit, auch für den zu Sauber gewechselten Nico Hülkenberg und Force-India-Rückkehrer Adrian Sutil.

"Ich bin zuversichtlich, dass die Basis gut ist", meinte Hülkenberg vor dem Saisonstart vorsichtig. Bloß nicht zu viel versprechen. Immerhin hat der Kampf um die besten Positionen ja gerade erst begonnen.

Zum Thema:
Sebastian Vettel hat seinen neuen Red-Bull-Boliden auf "Hungry Heidi" (Hungrige Heidi) getauft, wie der Hesse am Mittwoch verriet. Heidi ist die Nachfolgerin von Kate, Kate's Dirty little Sister, Randy Mandy, Luscious Liz, Kinky Kylie und Abbey, mit der Vettel zuletzt die WM-Krone eroberte.