Das Internationale Olympische Komitee hat an alle Weltverbände und Ausrichter von Sportveranstaltungen die Empfehlung abgegeben, Russland und seinen Verbündeten Belarus wegen der Invasion in die Ukraine auszuschließen. Der Fußball-Weltverband FIFA und die Europäische Fußball-Union UEFA folgten dem IOC.
So wird beispielsweise die Nationalmannschaft Russlands wird von der WM-Qualifikation ausgeschlossen und hat keine Chance mehr auf ein Ticket für die Endrunde Ende des Jahres in Katar. Bundesligist RB Leipzig profitiert vom Ausschluss Spartak Moskaus und zieht ohne Spiele ins Viertelfinale ein.
Auch in anderen Sportarten sind die russischen Athleten und Athletinnen nicht mehr erwünscht. Ist dies ein gutes Mittel für Sanktionen – oder trifft dieser Ausschluss die Falschen?

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Pro: Diese Sanktion trifft die russische Seele und lässt den Unmut gegenüber Putin wachsen

Von Jan Lehmann, Leiter der Sportredaktion
Es ist eine harte Entscheidung von Fifa und Uefa, den russischen Fußball von allen Wettbewerben auszuschließen. Hart, aber genau deshalb absolut richtig und wohl nur der Beginn von vielen weiteren Einschnitten für den russischen Sport. So darf die „Sbornaja“ auch nicht bei der Eishockey-WM in Finnland antreten – das trifft die russische Seele. Ganz klar: Unter diesen Sanktionen müssen Sportler und Sportlerinnen leiden, die keineswegs alles Kriegsbefürworter sind.
Das ist sicher in Einzelfällen extrem tragisch – aber im Vergleich zum Leid in der Kriegsregion durchaus verhältnismäßig. Es ist eine Crux: Auch alle anderen europäischen Sanktionen, beispielsweise auf dem Finanzsektor, treffen nicht nur zielgenau Putin und seine Machtclique, sondern meist auch das einfache russische Volk.
Hoffentlich hat das aber einen großen innenpolitischen Effekt: Der Unmut gegenüber Putin kann und wird auch in Russland wachsen – der mit viel Emotionen besetzte Sport kann da durchaus ein großer Hebel sein. Der Krieg muss mit allen Mitteln so schnell wie möglich beendet werden. Erst dann können auch die russischen Sportlerinnen und Sportler das machen, was ihnen so am Herzen liegt: Mit Menschen aus aller Welt in einen fairen und friedlichen sportlichen Wettstreit treten.

Contra: Vereine stehen für die Menschen, nicht für die russische Obrigkeit

Von Claus Liesegang, Chefredakteur
Ja, es ist völlig richtig: Gegen den Krieg in der Ukraine braucht es eine klare Kante. Deshalb ist es gut und wichtig, dass diese auch im Sport gezeigt wird. So ist es zwar überraschend aber wichtig, dass Olympia-Boss Thomas Bach, der regelmäßig Diktatoren wie den russischen Präsidenten hofiert, nun Wladimir Putin den Olympischen Orden entzogen hat.
Auch Schalkes Abschied vom Sponsor Gazprom verdient hohen Respekt. Ebenso ist der Ausschluss russischer Nationalteams von Weltmeisterschaften zu unterstützen. Denn diese Teams repräsentieren den Staat, mit Kriegstreiber Putin an der Spitze, der in einem slawischen Bruderstaat wüten lässt und die ganze Welt bedroht.
Anders ist das beim Vereinssport. Weltweit, vor allem aber in Europa, reichen Politiker dem russischen Volk die Hand, während sie den Überfall auf die Ukraine als Putins Teufelswerk brandmarken. Für Brandenburg hat das Ministerpräsident Woidke gleich am ersten Kriegstag getan. Wenn das glaubhaft sein soll, muss der Vereinssport international weitergehen.
Vereine stehen für die Menschen, nicht für die Obrigkeit. Wettkämpfe, wie das abgesagte Europa League Spiel von RB Leipzig gegen Spartak Moskau, hätten freilich nicht auf russischem Boden ausgetragen werden dürfen. Aber auf neutralem Boden ist die Begegnung von Vereinssportlern ein Zeichen von Völkerverständigung und Frieden.
Aktuelle Entwicklungen im Russland-Ukraine-Konflikt gibt es in einem Liveticker.