Am Dienstag ging es mit Freundin Judith noch ein paar Stunden an den Strand und auf den Zuckerhut, an diesem Mittwoch wird Roger Kluge Rio de Janeiro verlassen. Per Flieger geht es zurück nach Berlin, zurück zu Tochter Jenna (10 Monate). Wenn der Radsportler vom RK Endspurt Cottbus seinen Nachwuchs erstmals nach Wochen wieder in die Arme nehmen kann, dürfte der Ärger über seinen Olympia-Auftritt wohl endgültig verrauchen.

Nach Platz vier vor vier Jahren bei den Spielen in London und Platz zwei bei der Weltmeisterschaft Anfang März an gleicher Stelle war der 30-Jährige selbstbewusst nach Brasilien gereist, hatte offensiv von einer Omnium-Medaille gesprochen. Und der Auftakt am Sonntag gab dem Straßen-Profi weiteren Rückenwind. Das Ausscheidungsfahren erwies sich indes wie 2012 als Knackpunkt. Als Zwölfter schied Kluge zu früh aus, büßte vor seinen schwächeren Disziplinen Zeitfahren und Fliegender Runde zu viele Punkte auf die Spitze ein.

Im abschließenden Punktefahren am Montag musste der Olympia-Zweite von 2008 sich frühzeitig eingestehen, dass es nicht reicht, dem Rennen und Gesamtausgang eine Wendung zu verleihen. Hinter dem Podium mit dem Italiener Elia Viviani (207 Punkte), Mark Cavendish (194) und dem Dänen Lasse Norman Hansen (192) kam Kluge mit 167 Zählern auf den sechsten Platz und ging somit leer aus.

"Natürlich hatte ich mir mehr erhofft, aber mehr war nicht drin. Schade. Ich habe einfach nicht die Beine gehabt. Es hat in jedem Rennen ein bisschen gefehlt", sagte Kluge und suchte kurz nach dem Rennen vor den Journalisten nicht nach Ausreden. Ein bisschen rang er um Fassung. "Ich bin nicht gerade happy", so der Routinier, der sich aber im Gegensatz zu anderen Sportlern professionell den Fragen stellte.

Die sportliche Bilanz Kluges in diesem Jahr kann sich auch ohne Olympia-Medaille sehen lassen. Im Bahn-Winter Deutscher Meister, Zweiter im Weltcup und bei WM, der jüngeren Konkurrenz klar das Hinterrad gezeigt. Dazu des Etappensieges beim Giro d'Italia im Mai, die dem noch bei IAM Cycling fahrenden Profi ab 2017 eine Zukunft beim aus tralischen Team Orica einbrachte. Im Oktober wartet noch die Straßen-WM in Katar im Oktober. "Klar, man kann jetzt nach Fehlern gucken, ich will aber nicht nach Fehlern gucken. Die Saison war bisher super", sagte Kluge.

Hinter dem verdienten und überlegenen Sieger Elia Viviani ging Silber an Ex-Straßen-Weltmeister Mark Cavendish. Der vierfache Tour-Etappensieger 2016 fiel vor allem durch seine rücksichtslose Fahrweise auf. Nach knapp 100 Runden rammte er den Koreaner Sanghoon Park von der Bahn, der riss O'Shea und Viviani mit. Die konnten das Rennen fortsetzen, während Park auf einer Trage aus dem Velodrom gebracht wurde. Der britische "Telegraph" schrieb von einer "kontroversen Silber-Medaille" für den Sprinter von der Isle of Man, viele Sportler und Trainer gratulierten demonstrativ nur Viviani und Hansen in Tweets und Posts. "Ich kann dazu nichts sagen. Glückwunsch an alle drei auf dem Podium", bewies Kluge auch hier in der Mixed-Zone Größe.