Die „Hölle“ von Dresden sah zunächst nach friedlicher Idylle aus. Bereits mehrere Stunden vor dem Anpfiff pilgerten die ersten Fans zum Rudolf-Harbig-Stadion. „Jetzt spielen wir vor unserer Kurve und unseren Fans“, hatte Dynamo-Kapitän Tim Knipping vor dem Relegations-Rückspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern angekündigt: „Wir wollen den Klassenerhalt in unserer Hölle klarmachen.“
Spätestens beim Anpfiff um 20.30 Uhr war dann aber die „Hölle“ los in dem mit 30 530 Besuchern ausverkauften Rudolf-Harbig-Stadion. Der Anpfiff verzögerte sich, weil in beiden Fanblöcken Feuerwerkskörper abgebrannt wurden. Eine Rakete aus dem Gästeblock flog sogar in Richtung anderer Zuschauer.
Zwei Stunden später war dann auch die Frage nach dem Klassenerhalt geklärt: Dynamo Dresden steigt nach der 0:2-Niederlage gegen Kaiserslautern und nur einem Jahr in der zweithöchsten Spielklasse wieder in die 3. Liga ab. Zur sportlichen Niederlage kam das beschämende Bild, das die Dynamo-Fans durch ihre Pyro-Eskalation abgaben.

Sieglos-Serie von Dynamo Dresden

Dabei lautete das Motto bei Dynamo Dresden vor dem letzten und gleichzeitig wichtigsten Spiel der Saison: „Zur Hölle“ mit der beängstigenden Sieglos-Serie. In sage und schreibe 18 Partien war den Schwarz-Gelben bis zum Dienstabend kein einziger Sieg gelungen. Sieben Remis und vier Niederlagen lautete die persönliche Bilanz des im März verpflichteten Guerino Capretti. Mehr Mut zur Offensive hatte sich der Dynamo-Trainer von seiner Mannschaft vor dem Rückspiel gegen Kaiserslautern gewünscht. „Wir müssen mehr Torchancen generieren und Tore schießen, das ist das Ziel“, sagte er.
Zumal Dynamo Dresden durchaus gute Relegations-Erfahrung hat. 2002 setzten sich die Sachsen gegen Hertha BSC II durch und stiegen in die Regionalliga auf. 2011 gewannen sie gegen den VfL Osnabrück und stiegen in die 2. Liga auf. 2013 ging es erneut gegen Osnabrück – Dynamo schaffte den Zweitliga-Klassenerhalt.

Frühes Aus für Yannick Stark

Im Vergleich zum 0:0 am Freitagabend auf dem Betzenberg fehlten mit Paul Will (Gehirnerschütterung) und Michael Akoto (Fußverletzung) allerdings beide zentralen Mittelfeldspieler. Dafür durfte sich Ex-Kapitän Yannick Stark über die Rückkehr in die Startelf freuen. Sie fiel jedoch kurz aus: Nach einer halben Stunde war die Partie für Stark schon wieder vorbei. Er musste mit einer Knöchelverletzung raus.
Die Vorzeichen waren nach dem torlosen Remis im Hinspiel klar: Wer gewinnt, spielt kommende Saison im Fußball-Unterhaus. Und diese große Bedeutung dieser Partie war beiden Teams anzumerken. Sie starteten nervös und verloren immer wieder schnell den Ball. Aber beide gingen auch ein enorm hohes Tempo. Dynamo Christoph Daferner sorgte in der 5. Minute mit seinem Distanzschuss für den ersten Abschluss – die meisten dieser Versuche blieben jedoch ungefährlich. Und mit zunehmender Spielzeit in Halbzeit eins landeten beide Teams bei ihrer Vorsichtigkeit aus dem Hinspiel. Kurz vor der Pause traf Ransford-Yeboah Königsdörffer nur das Außennetz für die insgesamt aktiveren Gastgeber.

Hanslik trifft für Kaiserslautern

Kaiserslautern fasste mit Beginn der zweiten Halbzeit mehr Mut in der Offensive. In der 58. Minute parierte Dynamo-Torhüter Kevin Broll einen wuchtigen Kopfball von Terence Boyd. Kurz danach kamen die Gäste zur Führung durch Daniel Hanslik (59.).
Der Rest des Spiels war dann ein schwarz-gelber Sturmlauf, aber auch jede Menge Hektik und viele Rangeleien. Auf der anderen Seite vergab der völlig freistehende Terence Boyd in der 83. Minute die Riesenchance zur endgültigen Entscheidung. Diesen Job übernahm dann Philipp Hercher in der Nachspielzeit mit dem 2:0. Die Antwort der Dynamo-Anhänger war eine wütende Pyro-Orgie von den Rängen. „Leute, seid ihr wahnsinnig“, rief der Stadionsprecher den Fans zu. An mehreren Stellen wurden zudem Fahnen entzündet.