Die Nachricht ereilte Emma Hinze zwischen zwei Trainingseinheiten. Wirklich überrascht ist die dreifache Weltmeisterin im Bahnradsport nicht. „Um ehrlich zu sein – ich habe schon damit gerechnet, dass die Olympischen Spiele nicht wie geplant in diesem Sommer stattfinden können“, sagt die 22-jährige Cottbuserin.

Das Internationale Olympische Komitee hatte am Dienstag bekanntgegeben, dass die Sommerspiele in Tokio wegen der Corona-Pandemie ins Jahr 2021 verschoben werden.

Training mit Ausnahmegenehmigung

Einerseits wird Emma Hinze durch die Verlegung der Spiele ausgebremst wie keine andere Sportlerin. Denn die gebürtige Hildesheimerin war vor wenigen Wochen bei der Heim-Weltmeisterschaft der Bahnradsportler in Berlin völlig überraschend zu drei Titeln gerast. Hinze siegte im Velodrom an der Landsberger Allee im Teamsprint, Sprint und Keirin. Sie avancierte damit zur erfolgreichsten Athletin der WM und wurde von den Radsportfans bejubelt.

Andererseits weiß Hinze ganz genau, dass sie mit ihren 22 Jahren erst am Anfang der Karriere steht: „Ich bin noch jung und habe deshalb nicht das Gefühl, dass es für mich zu spät sein könnte, wenn Olympia verschoben wird.“

Dabei war auch für Emma Hinze alles auf den Saisonhöhepunkt Ende Juli/Anfang August in Tokio ausgerichtet. Derzeit läuft für die Sprinter des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) das Grundlagentraining. Das bedeutet, Hinze & Co. spulen derzeit hunderte Kilometer auf der Straße ab. Außerdem trainieren sie im Kraftraum des Brandenburger Olympiastützpunktes (OSP) in Cottbus. Die Olympia-Kader dürfen die Sportstätten trotz Corona nutzen. Sie besitzen eine entsprechende Ausnahmegenehmigung.

„Das Training fühlt sich unter diesen Bedingungen trotzdem sehr komisch an, weil man oft allein ist. Trotzdem bin ich froh, dass ich überhaupt trainieren darf. Vielen Menschen geht es derzeit deutlich schlechter als mir“, erklärt Hinze.

Ihr Trainer Aleksander Harisanow, der sie auch schon nach den gesundheitlichen Sorgen im Jahr 2017 aufgebaut hat, ist nun erneut eine wichtige Stütze. „Herr Harisanow hat ganz klar unsere gemeinsamen Ziele definiert. Er hilft mir, dass ich nicht in Panik gerate und mir zu viele Gedanken mache“, bedankt sich die Cottbuserin.

Trainingspläne über den Haufen geworfen

Seit der IOC-Absage der Spiele am Dienstag sind diese Trainingspläne allerdings Makulatur. Wann gibt es wieder Wettkämpfe? Wie wird die Zeit bis 2021 überbrückt? All diese Fragen bedürfen nun einer Antwort. „Ich sehe es trotzdem positiv. Wir haben nun viel länger Zeit, um uns auf Olympia vorzubereiten“, findet Emma Hinze.

Und es gibt trotz der olympischen Vollbremsung wegen Corona noch eine positive Nachricht. Denn; Die nächsten Bahnrad-Weltmeisterschaften finden vom 13. bis 17. Oktober 2021 in der turkmenischen Hauptstadt Asgabat statt – also mit ziemlicher Sicherheit erst nach den Olympischen Spielen. Hinze wird als dreifache Weltmeisterin trotz der Verschiebung in jedem Fall im Regentrikot zu Olympia reisen. Zumindest dieser Plan bleibt also bestehen.

Bei der Bahnrad-WM in Berlin hatte Emma Hinze drei Goldmedaillen geholt.
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