Von Thomas Juschus

An sein erstes Sechstagerennen kann sich der Cottbuser Maximilian Levy nur noch schwach erinnern. Im Januar 2006 war der damals 18-Jährige in Stuttgart als Debütant bei der sechstägigen Rundenhatz mit dabei. „Eines habe ich aber nicht vergessen: Rene Wolff, damals Olympiasieger und Weltmeister, hat mich an die Hand genommen und in die Sixdays eingeführt. Davon habe ich jahrelang profitiert“, berichtet Levy, inzwischen 31 Jahre alt. In dieser Woche ist Levy zum 13. Mal beim Sechstagerennen in Berlin am Start. Und inzwischen hat der viermalige Weltmeister und dreifache Olympia-Medaillengewinner die Rolle des Mentors inne. Im Velodrom wird er den 18-jährigen Anton Höhne vom RSC Cottbus in die Sixdays-Welt einführen.

Levy, der siebenfache Weltmeister Francois Pervis, die beiden russischen Ex-Weltmeister Denis Dmitriev und Shane Perkins – das Sprinterfeld bei der 108. Auflage ist so stark besetzt wie lange nicht. Trotz des Ausfalls von Publikumsliebling Robert Förstemann. Der Berliner, der für den RSC Cottbus startet, stürzte in Bremen schwer, zog sich mehrere Knochenbrüche zu und fehlt diesmal an der Landsberger Allee. Neben der Präsentation von Weltklasse haben sich die Organisatoren aber auch die Förderung des Nachwuchses auf die Fahnen geschrieben. Im Sprinterfeld kommt diese Rolle dem jungen Anton Höhne zu.

„Meine Aufregung hält sich noch in Grenzen – wobei eine gewisse Grundnervosität gehört wohl zu jedem Wettkampf dazu“, sagt Sportschüler Anton Höhne. Seit 2009 ist er beim Radsport, ein Schnuppertraining und die Aussicht auf eine kostenlose Trinkflasche lockte ihn damals zum RSC. Im vergangenen Jahr fuhr der angehende Abiturient den bislang größten Erfolg seiner noch jungen Laufbahn ein: Bei den Junioren-Weltmeisterschaften in Aigle/Schweiz belegte er im 1000-Meter-Zeitfahren den dritten Platz.

In diesem Jahr will Höhne, der zur Trainingsgruppe von Eyk Pokorny gehört, die ersten Schritte im Männerbereich machen. Höhepunkt soll die U23-Europameisterschaft im Sommer in Gent werden. Die Sixdays sind eine willkommene Abwechslung im Winter – und mehr als eine Show. „Ich werde sehen, ob mir die Unterhaltung liegt. Auf jeden Fall nehme ich jeden Wettkampf ernst und will in Berlin sehen, wo ich im Vergleich mit den doch schon älteren Fahrern wie Pervis oder Levy stehe“, erklärt Höhne, der im Velodrom von seinen Eltern und Freunden unterstützt wird. Und der sich der Hilfe von Levy sicher sein kann: „So direkt habe ich noch nicht nach Tipps gefragt, weiß aber, dass ich ihn immer fragen kann“, sagt Höhne.

Für Levy ist die Sixday-Szene ein „Haifischbecken“. Jeder müsse seinen eigenen Weg finden und möglichst dabei eine Marke kreieren. „Robert Förstemann ist das sehr gut mit seiner Oberschenkel-Geschichte gelungen. Ich bin eher der Typ ,Schwiegermutters Liebling‘“, sagt Levy, der in Berlin seinen achten Gesamtsieg anpeilt. Das wichtigste indes sei aber immer noch der Sport: „Am Ende zählt vor allem kontinuierlicher Erfolg, um sich über Jahre zu etablieren“, erklärt er. In diesem Bereich hat der Cottbuser so viel zu bieten wie derzeit kein anderer deutscher Sprinter – und Anton Höhne steht erst am Anfang seiner Sportler-Laufbahn.