Von Thomas Juschus

Michael Hübner strich Maximilian Levy in der deutschen Box im Palais Omnisport in Apeldoorn mit seiner Pranke fast liebevoll über den kahl geschorenen Kopf. „Um Max muss man sich keine Sorgen machen“, sagte der siebenfache Weltmeister, als Sportlicher Leiter beim Team Erdgas.2012 langjähriger Wegbegleiter und enger Berater von Levy. Auch Bundestrainer Detlef Uibel war milde gestimmt: „Es gibt keine Vorwürfe. Max hat sich uns zur Verfügung gestellt und geholfen.“

Während der Cottbuser Levy bei den Europameisterschaften in den Niederlanden im Teamsprint mit einer starken Zeit auf Position zwei seinen Anteil an Gesamtrang vier hatte, war der neunte Platz in seiner Schokoladendisziplin Keirin nicht das gewünschte und erhoffte Ergebnis. „Es ist hier bis dato das beste deutsche Einzelergebnis. Das zeigt wo wir momentan im Männersprint stehen. Klar, ich bin auch noch nicht da, wo ich hin muss. Und trotz der guten Zeiten im Teamsprint habe ich mich nicht wirklich gut gefühlt. Im Halbfinale war zu sehen, dass mir noch Druck fehlt“, bilanzierte der 32-Jährige seinen ersten internationalen Meisterschaftsstart seit der WM im Februar 2018 an gleicher Stelle.

Knapp 100 Tage nach der Beendigung seiner Babypause, die gleichzeitig in einem Ausflug zum Ironman-Marathon gipfelte, konnte der vierfache Weltmeister nach starken Ergebnissen in der Vorbereitung im EM-Halbfinale und auch im kleinen Finale noch nicht mit der Spitze mithalten. Vor allem die starken Niederländer bestimmten das Niveau und ließen auch die anderen Bahn-Nationen wie Frankreich und Großbritannien alt aussehen. „Es ist schon ein brutales Niveau. Erfahrung im Keirin ist schön und gut, aber wenn die Holländer um die Bahn fliegen und freie Fahrt haben, machen wir hinten nur noch den Lenker auf und zu“, sagte Levy leicht ernüchtert.

Immerhin sammelte Levy mit seinem neunten Platz weitere Ranglisten-Punkte, die einen Keirin-Startplatz bei der Weltmeisterschaft Ende Februar in Berlin absichern helfen und größere Reisestrapazen als geplant ersparen. Ohnehin ist der Cottbuser die nächsten Wochen viel auf Achse. Am Dienstag geht es für Levy zum Start der Sechstagerennen-Saison nach London („Das ist ein Stück Belohnung“), anschließend warten die Weltcups in Minsk und Glasgow in verschiedenen Einsatz-Konstellationen. „Die EM und Minsk waren eigentlich nicht geplant. Normalerweise hätte ich jetzt noch einen ordentlichen Trainingsblock. Aber jetzt fahre ich mich über die Rennen in Form“, sagte der Routinier und nahm zwei Erkenntnisse mit auf die sechsstündige Heimfahrt: „Letztendlich ist das Ziel, in Glasgow schnell zu fahren. Und ich muss nicht so viel verändern an meinem Weg.“

Mit im Auto zurück nach Cottbus saß Emma Hinze. Nach Silber im Teamsprint mit Lea Sophie Friedrich aus Dassow und Platz vier im Sprint beendete die 22-Jährige nach einem Infekt die Europameisterschaften vorzeitig ohne Einsätze in Keirin und Zeitfahren. „Ich muss erst mal wieder gesund werden. Im Sprint-Turnier haben sich meine Beine wie Beton angefühlt“, sagte Hinze, die einen starken Saisoneinstand hinlegte und neben der Medaille mit guten Zeiten glänzte. „Emma ist ein starkes Sprint-Turnier gefahren. Natürlich gibt es noch Reserven. Und es wird in Zukunft auch darum gehen, die Wettkampfbelastung besser zu vertragen und nicht krank zu werden“, bilanzierte Uibel.