PRO: Die Amtsärzte lähmen das sportliche Leben

Die Stadt meint es gut. Aus Angst vor dem Virus lässt sie Vorsicht walten, wo andere längst so tun, als sei Covid-19 nicht mehr ansteckend. Sich für das Aufstiegsturnier vom Lausitzer Handballclub Cottbus (LHC) Sportmannschaften aus drei Bundesländern ins Haus zu holen, in denen sich in den letzten zwei Wochen mehr Menschen mit dem Virus angesteckt haben, als in Cottbus in den vergangenen sechs Monaten, wirkt gefährlich.
Doch bei ihrem Versuch, die Bürger zu schützen, lähmen die Amtsärzte das sportliche Leben. Handball ist da nicht das erste Beispiel: Auch die Tennisspieler in Cottbus haben im Sommer lange diskutieren müssen, ehe sie wieder aufs Feld durften – trotz größtmöglichem Abstand zueinander, den eine Sportart unter freiem Himmel zulassen kann.
Der LHC hat ein zehnseitiges Hygienekonzept erarbeitet, dessen umfassende Maßnahmen die geforderten Auflagen teils sogar noch verschärfen. Die Chance zu beweisen, dass sich Menschen unter Einhaltung der Regeln bei einer Sportveranstaltung nicht automatisch mit Covid-19 infizieren, muss man dem LHC geben. Die Stadt sollte ihn darin unterstützen, statt sich hinter den Regelungen des Landes zu verstecken. Geht der Versuch nämlich gut, können auch andere Veranstalter von den Erfahrungen des LHC profitieren.

Josephine Japke

CONTRA: Das ist wie Sex ohne Kondom

Die Handballer vom LHC wollen nur spielen – und stehen damit exemplarisch für die gesamte Cottbuser Sportfamilie. Das ist auch in Zeiten von Corona verständlich. Aber wir dürfen bei all dem, was wir allmählich wieder tun und lassen, eines nicht vergessen: Mit der Pandemie zu leben ist nicht das Gleiche wie die Pandemie zu leugnen. Ein länderübergreifendes Turnier unter einem Hallendach ohne Auflagen stattfinden zu lassen, wirkt jedoch eher wie Letzteres.
Auch der Deutsche Handballbund hat als Veranstalter keine glückliche Figur gemacht, indem er dem LHC zu verstehen gab, das Turnier notfalls woanders auszutragen. So mühevoll der LHC sein Hygienekonzept auch ausgearbeitet hat, wird es nicht verhindern, dass sich Jugendliche aus vier Bundesländern mit verschiedenen Infektionsgeschehen in engen Körperkontakt begeben. Die Jungs allesamt ohne Corona-Tests antanzen zu lassen, ist wie Sex ohne Kondom – kann gut gehen, ist aber riskant. Und letztlich ist das auch keinem Club- oder Discobesitzer zu erklären, warum der Sport Ausnahmen bekommt und die Kultur nicht.
Die Sorge vom Cottbuser Gesundheitsamt, dass auch nur ein Covid-19-Fall Folgen für diverse Bundesländer und Sportschulen haben kann, ist begründet. Wer sich um die Gesundheit aller sorgt, sollte nicht als Spielverderber abgestempelt werden.

Steven Wiesner