Im Mittelpunkt stand der Penalty von Füchse-Verteidiger Kevin Young. Obwohl er ins Tor traf, gab Schiedsrichter Carsten Lenhart den Treffer nicht. Dessen Entscheidung zeigte, dass Eishockey-Regeln nicht immer gerecht sind.Die RUNDSCHAU beleuchtet noch einmal die Hintergründe einer Kuriosität im Regelwerk, die für die Füchse tragische Folgen hatte.

Der Penalty: Kevin Young hatte Keeper Marko Suvelo eiskalt in die linke Ecke gelockt und dann den Puck rechts ins leere Tor geschoben. Besser kann man einen Penalty nicht schießen. Trotzdem breitete Schiedsrichter Lenhart beide Arme aus – kein Tor. Denn kurz bevor der Puck die Linie überquerte, hatte Suvelo mit dem Fuß sein Tor verschoben. Deshalb kein Treffer und auch keine Wiederholung. Es folgten...

Die Emotionen: Trainer Thomas Popiesch stürmte wütend auf das Eis lieferte sich ein Wortgefecht mit dem Schiri. Manager Ralf Hantschke sprach von einem Skandal. Deshalb legten die Füchse sofort Protest ein. Sie beriefen sich auf...

Die Regeln: Im Case Book, der Fallbeispielsammlung des Eishockey-Weltverbandes IIHF heißt es zur Regel 509 (Ausführen des Strafschusses): Wenn der Torhüter zu irgendeiner Zeit während der Ausführung des Strafschusses... das Tor bewegt oder aus der Verankerung reißt, wird ein Tor zugesprochen. Also eine Fehlentscheidung des Schiris? Es gibt da allerdings noch...
Die Interpretation: Regel 509 ist laut Gerhard Müller, Regelreferent des Deutschen Eishockey-Bundes – entgegen des klaren Wortlautes – nur für den Fall vorgesehen, dass der Keeper das Tor absichtlich verschiebt. Wird das Tor jedoch durch eine nachvollziehbare Abwehrbewegung aus der Verankerung gerissen, da kann der Treffer nicht gegeben werden. Es kommt im Einzelfall also darauf an, ob dem Torwart eine Absicht nachzuweisen ist oder nicht. Schiri Lenhart sah diese Absicht bei Suvelo nicht. Und das sagen...

Die Experten: Ein noch aktiver Torhüter hat die Fernsehbilder der umstrittenen Szene für die RUNDSCHAU analysiert. Sein Urteil: Suvelo hat das Tor nicht absichtlich verschoben. Als er sich mit dem rechten Bein vom Eis abdrücken wollte, um doch noch in die andere Ecke zu kommen, ist er gegen den Pfosten gerutscht. Regel-Experte Gerhard Müller kommt nach Begutachtung der Fernsehbilder zum gleichen Ergebnis. Die Bewegung des Torhüters sieht zwar unglücklich aus, ist aber auf keinen Fall Absicht. Zudem verweist er auf Regel 471. Danach zählt ein Treffer dann nicht, wenn das Tor aus der Verankerung verschoben wurde, während der Puck... die Torlinie überquert. Auf der Strecke bleibt allerdings...

Die Gerechtigkeit:
Obwohl dem Schützen keinerlei Vorwurf zu machen ist, wird er bestraft. Gewiefte Keeper können die Regelung zu ihren Gunsten nutzen. Gerechter wäre es, wenn der Schiri eine Prognose abgeben müsste, ob der Puck auch dann reingegangen wäre, wenn das Tor nicht aus der Verankerung gerissen worden wäre, sagt Müller. Er weiß jedoch, dass diese Prognose in der Praxis sehr schwierig sein kann. Sein Vorschlag für eine Regeländerung: Wir sollten zumindest über eine Wiederholung des Penaltys nachdenken, um der Schlitzohrigkeit einiger Torhüter einen Riegel vorzuschieben. Der von der RUNDSCHAU befragte Keeper findet die Regel in der derzeitigen Form schlicht und einfach blödsinnig.