Nachsitzen ohne Hambüchen: Nach dem Verpassen des Olympia-Tickets bei der WM in Glasgow geht es nun für die deutschen Turner in der Rio Olympic Arena um alles. "Ich glaube fest an die Jungs. Es müsste mit dem Teufel zugehen, dass es nicht klappt", übermittelte Leitwolf Fabian Hambüchen den Männern beste Wünsche für den bisher wichtigsten Saison-Wettkampf an diesem Samstag.

Eine hartnäckige Schulter-Entzündung legt Hambüchen seit Wochen lahm, selbst ein Start bei den Spielen im August ist in Gefahr. Das Sextett um Marcel Nguyen und Andreas Bretschneider will durch Geschlossenheit die Lücke schließen. "Wir müssen einen Teamspirit entwickeln", erklärte Cheftrainer Andreas Hirsch.

Zuversichtlich posierten die Deutschen am Tag vor dem so wichtigen "Test Event" mit freien Oberköpern und schwarzen Sonnenbrillen im Olympia-Sportkomplex Barra. "Wenn wir unser Ding halbwegs machen, führt an uns kein Weg vorbei", sagte Reck-Spezialist Bretschneider. Die im Vorfeld geäußerten Sorgen, die Deutschen könnten erstmals die Olympia-Tickets verpassen, wies der Chemnitzer, der auch schon für den SC Cottbus geturnt hat, zurück. "Ich habe keine Angst. Ich finde es insgesamt eine riesengroße Frechheit, was ich in den vergangenen Tagen gehört habe", sagte er in einem Interview der "Welt".

In Rio geht es für die Riegen auf den WM-Rängen 9 bis 16 um die vier freien Teamplätze für die Spiele. In Glasgow hatten die Deutschen wegen einer verpatzten Seitpferd-Übung die Top Acht knapp verfehlt. Doch der Hambüchen-Ausfall wiegt schwer. "Die Sportler, die wir jetzt in der Mannschaft haben, wollen alle zu den Spielen. Insofern gilt es nicht zu jammern und zu wehklagen", forderte Hirsch, der den Cottbuser Christopher Jursch für Rio nicht berücksichtigt hatte.

Die zurückgewonnene Stabilität des zweifachen Olympia-Zweiten Nguyen, der jüngst in Cottbus am Barren gewann, der Weltcupsieg von Bretschneider in Stuttgart oder die schwierige Pferdübung des nachnominierten Ivan Rittschik bilden ein solides Fundament, auf dem die Hoffnungen von Hirsch ruhen. "Es liegt in unseren Möglichkeiten, das zu schaffen", sagte er. Sicher ist in Rio jedoch nichts. Das weiß auch der Coach: "Der Fünfte, der Sechste und der Siebte wollen auch nach den Sternen greifen. Die werden natürlich alles Erdenkliche tun, um diese einzige Chance noch zu nutzen."

Ziel der Frauen ist Platz eins

Einen Tag nach den Männern müssen auch die deutschen Frauen an der Copacabana nachsitzen. Teamchefin Ulla Koch hat für ihre Riege um die Leistungsträgerinnen Elisabeth Seitz, Sophie Scheder, die jüngst beim 40. Turnier der Meister in Cottbus Gold, Silber und Bronze gewann, sowie Pauline Schäfer Platz eins als Ziel ausgegeben. Gegner sind unter anderen Gastgeber Brasilien, Frankreich und Rumänien.

Wenn es am Sonntag an die Geräte geht, wird die WM-Dritte Schäfer nach ihrer Schulterverletzung den Stufenbarren auslassen. Dort sei die Gefahr, sich schwerer zu verletzen, am größten, fürchtet die Chemnitzerin. Schäfer hat dank ihrer WM-Medaille als einzige Deutsche das Olympia-Ticket schon in der Tasche. Sollten die deutschen Riegen nicht in die Top 4 kommen, wäre nur ein Turner und eine weitere Turnerin bei den Spielen startberechtigt. Eine Vorstellung, mit der sich im Vorfeld keiner beschäftigen möchte.