Dass Lokalderbys im Spreewald eine eigene Brisanz haben, war vor dem Spiel klar. Hinzu kam jedoch, dass aufgrund der dünnen Spielerdecke der Luckauer die Gastgeber diesmal in der Geschichte der Derbys den ersten Erfolg in eigener Halle erzielen wollten.
Die Partie begann ohne langes Abtasten. Während sich das Angriffsspiel des BSV wie erwartet auf die wurfgewaltigen Rückraumschützen Sebastian Ackermann und Kai-Uwe Weilmünster stützte, versuchten die TSG-Spieler mit mannschaftlicher Geschlossenheit der Begegnung ihren Stempel aufzudrücken. Als Lübben beim 7:5 (13.) erstmals mit zwei Toren in Führung ging, schien sich das Blatt zu ihren Gunsten zu wenden. Doch Luckaus Trainer reagierte sofort und brachte mit Wolfgang Freimann neue Ideen in die Partie. Plötzlich waren die Aktionen der Gäste für die TSG-Deckung nicht mehr so leicht berechenbar, denn der Ex-Lübbener setzte auch die übrigen Luckauer Akteure im Angriff gut in Szene.

BSV Luckau spielbestimmend
Die Gäste kontrollierten fortan das Geschehen auf dem Parkett und lagen zur Pause mit 15:13 in Führung. Die TSG fand kaum noch eine Lücke in der von Matthias Naumann gut organisierten BSV-Abwehr, sodass auch Lübbens Trainer reagierte und mit Ingolf Burisch den TSG-Routinier auf das Parkett schickte. Erstmals seit zwölf Jahren stand der Spielgestalter der Lübbener Sieben nicht vom Anpfiff an auf dem Parkett. Zwar gab er dem Spielfluss der Gastgeber neue Impulse, doch am Zwei-Tore-Rückstand bis zum Seitenwechsel änderte er nichts.
Wohltuende Fairness auf dem Parkett und auf den Rängen, lobten beide Trainer bereits zur Pause und glätteten so die aufkommenden Wogen der Unruhe nach der letzten Spielaktion vor dem Wechsel. „Wir forderten unsere Mannschaften auf, den Zuschauern ein spielerisch ansprechendes Lokalderby zu bieten und persönliche Antipathien in der Kabine zu lassen“ , so Norbert Thormeier und Fred Mellack, die seit Jahren befreundet sind und diesen Aspekt auch in die Köpfe ihrer Akteure trugen. Trotzdem schenkten sich beide Teams auf dem Parkett nichts und so war es Dirk Becker, der mit zwei Toren wieder Biss ins Lübbener Angriffsspiel brachte. Doch ein gut aufgelegter Dominic Lindner im Luckauer Tor, sowie Latte und Pfosten als Paten, verhinderten, dass die TSG den Ausgleich erzielte.

Lübben im Angriff mit Wurfpech
Den Gastgebern klebte förmlich das Wurfpech an den Händen, sodass der BSV auf 19:16 enteilte. Hätte Kai-Uwe Weilmünster in dieser Spielphase die schnellen Konter nicht eigennützig abgeschlossen, sondern den Ball zu seinen besser postierten Kameraden gespielt, dann wäre eine Vorentscheidung in dieser Partie bereits gefallen, ärgerte sich Luckaus Trainer schon während der Partie. Bei den Luckauer Rückraumschützen ließen danach allmählich die Kräfte nach und so versuchten die Gäste, den Erfolg über die Zeit zu retten. Einzig Wolfgang Freimann setzte noch Akzente im Luckauer Spiel.
Die Lübbener übernahmen in den letzten zehn Minuten vollständig die Regie auf dem Parkett. Mit flüssigem Angriffsspiel über alle Positionen, wobei die mannschaftliche Geschlossenheit besonders hervortrat, wurde die beste Wurfposition herausgespielt und so Luckaus Abwehr immer wieder vor große Probleme gestellt. Ingolf Burisch verkürzte auf 21:23. Ausgehend von Nils Peter Czaja im Tor, einer konsequenten Deckung bis zu herrlichen Spielzügen im Angriff wendete sich das Blatt beim 24:23 von Paul Schwebel zugunsten der Lübbener. Einzig die vielen vergebenen Chancen ließen die Haare von Trainer Norbert Thormeier noch grauer werden, als sie ohnehin schon sind, und so ahnte nicht nur er, dass in einer dramatischen Schlussphase die 26:25-Führung nicht für den ersten Lübbener Heimsieg reichen würde.
Clever erkämpften sich die Luckauer in den letzten Sekunden der Partie noch einen Siebenmeter und als der Wurf schließlich in den Maschen des Lübbener Tores zappelte, war die gerechte Punkteteilung besiegelt.

TSG Lübben: Tor: Nils Peter Czaja, Steven Elstermann. Feld: Matthias Lehmann (1 Tor), Bert Orbanz, Ingolf Burisch (3, davon 1 Siebenmeter), Mirko Wolschke (3), Dirk Becker (4), Matthias Dümke, Steven Schnitzer, Paul Schwebel (3), Sebastian Schäfer (3), Till Teubel (1) und Marcel Linge (8/3).
BSV Luckau: Tor: Dominic Lindner, Daniel Wagner, Björn Brembs. Feld: Stephan Pavelka, Matthias Naumann, Sebastian Ackermann (7), Jan-Eike Albrecht (1), Kai-Uwe Weilmünster (9/4), David Bock (2), Christian Herrmann (1), Erik Dressel, Jens Massierer, Wolfgang Freimann (4/1) und Jörg Ludwig (2).
Zeitstrafen: Lübben 4; Luckau 3.