Von Sven Hering und Jan Lehmann

Auf diesen Coup ist Ulrich Hobeck besonders stolz. Beim 17. Springermeeting am 30. Januar in der Lausitz-Arena in Cottbus wird beim Hochsprung der Frauen eine Athletin an den Start gehen, die in den vergangenen Jahren bei Welt- und Europameisterschaften jeweils ganz oben auf dem Treppchen gestanden hat. Maria Lasitskene führt auch bei den persönlichen Bestleistungen der in Cottbus startenden Hochspringerinnen mit ihren 2,06 Meter das Feld an.

„Wir freuen uns über diese Top-Verpflichtung“, erklärt der Meetingdirektor. Finanziell sei das Engagement der 1,80 Meter großen Athletin, die 2015 noch unter ihrem Mädchennamen Kutschina erstmals in Peking den Weltmeistertitel holen konnte, ein Kraftakt gewesen.

Allerdings musste  Hobeck für diese Verpflichtung nicht nur tief ins Portemonnaie greifen, sondern auch von einer Entscheidung abrücken, für die er seinerzeit nicht nur Lob eingeheimst hat. Das 14. Springermeeting im jahr 2016 war erstmals ohne russische Athleten ausgetragen worden. Hobeck hatte damit die Konsequenzen aus dem aufgedeckten Dopingskandal gezogen. „Wir wollen ein Zeichen setzen, dass es so in der Leichtathletik nicht weitergehen kann. Es muss ein Umdenken stattfinden“, begründete er damals diesen Schritt.

Der war allerdings nicht ganz ohne Risiko. Schließlich hatten gerade die russischen Athleten dem Meeting in den Jahren zuvor oft ihren Stempel aufgedrückt. Irina Gordeyeva etwa war im Jahr 2009 als erste Frau in Cottbus über die Zwei-Meter-Marke gesprungen. Doch Hobeck sah keine andere Wahl: „Es geht um unsere Glaubwürdigkeit – beim Publikum sowie bei den sauberen Sportlern“, betonte er.

Für Maria Lasitskene weicht er jetzt von dem Kurs ab. Mit gutem Gewissen, wie er betont. „Die Sportlerin ist in den vergangenen Jahren bei so vielen Wettbewerben gestartet und auch getestet worden, ohne dass es Auffälligkeiten gegeben hat“, sagt der Meetingchef. Lasitskene gehört zu den russischen Athleten, die sich einem vom Weltverband IAAF als vertrauenswürdig eingestuften Kontrollsystem unterworfen haben. Sie starten unter dem Namen ANA – Authorized Neutral Athletes – und dürfen weder Flaggen, Wappen noch Nationalfarben ihres Landes tragen.

So darf sich das Cottbuser Publikum auf eine Ausnahmeathletin freuen, die nicht nur je zweimal WM-Gold in der Halle und im Freien geholt hat, sondern auch eine ganz besondere Serie startete. Von 2016 bis 2018 hatte sie 45 Hochsprung-Wettbewerbe in Folge gewonnen, ehe sie sich schließlich beim Diamond-League-Meeting in Rabat wieder einmal geschlagen geben musste.

Wer die „absolute Überfliegerin“, so Hobeck, in Cottbus live erleben möchte, der muss sich sputen. Lediglich noch ein paar vereinzelte Stehplatztickets sind zu haben. „Innerhalb von anderthalb Wochen waren fast alle Karten weg“, verrät Hobeck und freut sich darauf, dass Ende Januar wieder mehr als 2000 Zuschauer in der Lausitz-Arena für eine ganz besondere Atmosphäre sorgen werden.

Und vielleicht muss der Cheforganisator zum Startgeld noch ein paar Euro draufpacken – wenn der Meetingrekord geknackt wird. Der liegt noch immer bei 2,01 Meter. Aufgestellt von Irina Gordeyeva aus Russland.