Von Mirjam Danke, Sven Hering
und Jenny Theiler

Wenn die La-Ola-Welle schon vor Beginn der Wettkämpfe durch die Lausitz-Arena schwappt, dann ist wieder Springermeeting. Auch bei der 17., einmal mehr ausverkauften, Veranstaltung am Mittwochabend war die Stimmung auf den Rängen bestens. Und bei den Sportlern ging es trotz des sehr frühen Zeitpunktes in der Saison schon richtig hoch hinaus.

Am Ende eines langen Abends gab es Standing Ovations für Mariya Lasitskene, die bei ihrer Cottbus-Premiere einen neuen Meeting-Rekord aufstellte, und Piotr Lisek. Der „polnische Bär“ machte tatsächlich den Hattrick perfekt und gewann bei seiner vierten Teilnahme zum dritten Mal in Folge in Cottbus – mit 5,85 Metern. Weltmeister Sam Kendricks (USA) hat ihm lange Paroli bieten können und versucht, Lisek den Sieg streitig zu machen, scheiterte aber an 5,90 Meter. Kendricks wurde Dritter hinter dem Überraschungszweiten Melker Svärd Jacobsson aus Schweden (5,80), der sich vom Publikum zu einer neuen persönlichen Bestleistung tragen ließ.

Die größte Begeisterung löste aber Mariya Lasitskene aus, die „neue Königin von Cottbus“, wie Moderator Michael Werling die Russin, die unter neutraler Flagge startete, spontan taufte. Mit 2,02 Meter schraubte sie den alten Meetingrekord um einen Zentimeter nach oben. Vor dem euphorischen Publikum versuchte sich die derzeit weltbeste Hochspringerin noch an 2,05 Meter, woran sie knapp scheiterte.

Bei den Männern stieg Raphael Holzdeppe bei 5,70 Meter aus. Der Grund war ein Problem mit seinem Beuger. „Es ist noch ziemlich früh in der Saison und Sicherheit geht vor“, sagte er. „Wenn ich darf, dann komme ich das nächste Jahr wieder, und dann geht es noch ein bisschen höher“, versprach er dem Cottbuser Publikum.

Und auch das gibt es nur beim Springermeeting: Der Trainer des Griechen Kostas Filippidis, Dimitris Kyteas, legte mitten im Wettkampf eine Sirtaki-Einlage hin. Sein Schützling hatte zuvor die 5,70 Meter übersprungen.

Eine kurzfristige Absage musste Meetingdirektor Ulrich Hobeck hinnehmen. Der Kanadier Shawn Barber, Weltmeister von Peking im Jahr 2015, startete dann doch nicht in Cottbus, obwohl er zeitig zugesagt hatte. Ulrich Hobeck hatte für die Entscheidung Verständnis: „Seine Leistungen sind derzeit noch nicht wie gewünscht, deshalb hat sein Manager alle Europa-Auftritte vorerst abgesagt“, so Hobeck. „Das finde ich fair“, ergänzte der Meeting-Chef.

Dafür gab sich „König“ Otto die Ehre – Björn Otto, der Cottbuser Publikumsliebling schlechthin. „Cottbus hat so eine megacoole Atmosphäre, und es liegt mir einfach am Herzen, das weiter zu unterstützen“, erklärte Otto, der 2016 seine Stabhochsprung-Karriere beendet hatte. Er fand es schön, diesmal „ganz gemütlich morgens mit dem Flieger anzureisen“, von Köln nach Tegel. Als Passagier, wie Otto betonte. Seit einiger Zeit ist er ja auch  als Pilot in Passagiermaschinen unterwegs.

Ein Jubiläum feierte Moderator Michael Werling. Er ist längst die Stimme des Meetings und war bereits zum zehnten Mal dabei. „In Cottbus sind in allen Bereichen Profis und nette Menschen am Werk. Und dazu kommt als Sahnehäubchen das unglaubliche Publikum“, sagte er. Zum ersten Mal an seiner Seite war Ulrike Fink vom rbb.

Die Prominenz aus Sport und Politik gab sich am Mittwochabend die Klinke in die Hand. Maximilian Levy war mit seiner Frau Madeleine unter den Zuschauern, die Cottbuser Stadtspitze eilte nach der Stadtverordnetenversammlung in die Arena. Auch die derzeit beste Cottbuser Nachwuchsleichtathletin Marie Scheppan feuerte die Athleten von der Tribüne aus an.

Mirko Wohlfahrt, Cheforganisator des Turniers der Meister, gehört zu den Stammgästen bei den Leichtathleten. „Es gibt zwei Sportveranstaltungen in Cottbus, die zugleich ein gesellschaftliches Ereignis sind – das ist das Turnier der Meister und das Springermeeting“, sagte er. Und er äußerte angesichts der tollen Stimmung in der Halle noch einen Wunsch: „Es wäre schön, wenn wir im Radsport auch noch eine solche Veranstaltung auf die Beine stellen könnten.“

Eine Premiere feierte der Trainer des Jahres 2018, Detlef Uibel. „Bisher hatte es wegen des Wettkampfkalenders bei uns nie mit einem Besuch geklappt“, erklärte der Bahnrad-Coach. „Besonders der Wechsel zwischen Stabhochsprung und Hochsprung macht für mich den Reiz des Meetings aus.“

Gerade dieser Wechsel gestaltete sich am Mittwoch allerdings zwischenzeitlich schwierig. So bekamen die Zuschauer zunächst lediglich die Damen beim Hochsprung zu sehen, da es ein schwerwiegenderes technisches Problem an der Stabhochsprunganlage gab. Dort ging zeitweise nichts mehr. Der Antrieb für das Hochfahren der Latte war kaputtgegangen – ein kleines Novum beim Springermeeting. Weltmeister Sam Kendricks aus den USA nahm es entspannt und überbrückte die Wartezeit, indem er die Hochspringerinnen anfeuerte und beklatschte. Wenig später ging es auch bei den Herren weiter, die Anlage wurde fortan manuell bedient.

Der Stimmung tat das überhaupt keinen Abbruch. Nur kurze Zeit später sang die ganze Halle „Happy Birthday“ für Lutz Heßlich. Die Cottbuser Radsport-Legende hatte kürzlich ihren 60. Geburtstag gefeiert.

Irene Schinkhauer aus Kolkwitz fand: „Cottbus braucht so etwas. Es ist eine sehr hochwertige Veranstaltung und begeistert sogar Leute, die mit Sport nicht viel am Hut haben.“

Bildergalerie Björn Otto, Co-Moderatorin Ulrike Finck.