Von Steven Wiesner

Gut drauf war er nicht nach den abschließenden Pleiten gegen Crimmitschau (3:4) und Kassel (2:3). „Ich mache mir den Vorwurf, am Ende nicht die richtigen Spieler gebracht zu haben. Bei manchen Spielern hat der Mut gefehlt, sich in die Schüsse zu werfen“, hatte Corey Neilson noch direkt nach Spielende schmallippig erklärt. Mit dem Abstand von ein paar Tagen kann der Coach der Lausitzer Füchse aber etwas besser mit dem Null-Punkte-Wochenende zum Hauptrundenabschluss in der 2. Deutschen Eishockey Liga (DEL2) umgehen. „Wenn mir zum Saisonstart jemand gesagt hätte, dass wir die Saison einen Punkt hinter Platz zwei beenden, wäre ich damit sehr zufrieden gewesen. Ja, wir hätten mehr verdient gehabt als Platz fünf, aber das Leben kann manchmal grausam sein.“

Und „grausam“ heißt in diesem Zusammenhang ja auch nur, dass die Weißwasseraner auf der Zielgeraden noch ihren Heimvorteil für die Playoffs verdaddelt haben. Eine außergewöhnlich gute Spielzeit mit mindestens zwei neuen Vereinsrekorden bleibt es trotzdem für den Vorjahreselften. Noch nie nämlich hat ein Team aus Weißwasser derart viele Punkte im deutschen Unterhaus erspielen (92) und sich zu so einem frühen Zeitpunkt für die Meisterrunde qualifizieren können (nach 46 von 52 Spielen). Das weiß auch der Kanadier, der die Füchse im Sommer übernommen hatte: „Es war eine exzellente Hauptrunde.“

Mit der war vielleicht nicht unbedingt zu rechnen, nachdem sich der Verein zuvor doch recht plötzlich von Erfolgstrainer und Identifikationsfigur Robert Hoffmann getrennt hatte. Doch sein Nachfolger aus Übersee hat die Lausitzer Füchse stetig weiterentwickelt. „Wir haben im Laufe der Saison auch viele Fehler gemacht, es war nicht nur das letzte Wochenende“, sagt der 42-Jährige. „Wir hatten aber immer die Philosophie, jeden Tag besser zu werden. Und das werden wir auch weiterhin so halten.“

Bewusst habe man sich dazu entschlossen, mit jungen Spielern zusammenzuarbeiten, die hungrig sind. Und das merkt man mittlerweile auch der Spielweise der Sachsen an. „Wir spielen mit sehr viel Leidenschaft und hoher Intensität. Ich denke, unsere Fans können das spüren und wissen es zu schätzen, dass wir uns so reinhängen“, sagt der Coach – und er geht sogar noch weiter: „Wir sind ligaweit das aufregendste Team zum Zuschauen.“ Ähnlich hatte sich zuletzt auch der Ravensburger Trainer Rich Chernomaz nach der 0:4-Abreibung im Fuchsbau geäußert: „Die Geschwindigkeit der Füchse ist schwer in den Griff zu bekommen. Ich hoffe, wir treffen in den Playoffs nicht aufeinander.“

Eine Hoffnung, die sich für den Moment erstmal erfüllt hat. Die Towerstars treffen auf Bad Nauheim und mit den Füchsen bekommt es nun der ESV Kaufbeuren zu tun in den Playoffs. Hier will Weißwasser erstmals seit 2009 wieder ins Halbfinale. Neilson: „Wir werden jeden Tag und jedes Spiel nehmen und sehen, wie es läuft. Wir wollen so weit wie möglich kommen.“ Unabhängig vom Abschneiden in der K.o.-Runde sagt der Füchse-Trainer aber: „Ich denke, die Stadt kann sehr stolz auf die Spieler sein. Ich weiß auf jeden Fall, dass ich es bin.“