Sie kamen sich ein bisschen vor wie Eistänzer in kurzen Hosen. Zoltan Szelesi schlitterte beim Abwehr versuch über den Rasen. Der bullige Francis Kioyo fand kaum Halt auf dem schneebedeckten Untergrund. Und auch Torhüter Tomislav Piplica hatte mehr Mühe als sonst, den hoppelnden Ball unter Kontrolle zu bringen. Am Ende war Teammanager Petrik Sander froh über die Tatsache, dass alle Profis unversehrt die Heimreise aus Paderborn antreten konnten. Einen zweiten Eistanz möchte sich der Tabellensiebte unbedingt ersparen. Deshalb würde Energie morgen zwar gern im Stadion an der Hamburger Straße antreten, aber nicht auf Kosten der Gesundheit der Profis. „Voraussetzung ist, dass der Rasen ordentlich bespielbar ist“ , betont Manager Ralf Lempke.
Die Aussichten, dass dieser Wunsch auch wirklich in Erfüllung geht, sind jedoch vage und von milderen Temperaturen abhängig. Gestern war der Rasen noch mit einer 15 bis 18 cm dicken Eisschicht überzogen. Zwischenzeitlich hatte man erwogen, eine Gebläsedecke zum Auftauen einzusetzen. Nach Meinung der Experten hätte allein der Aufbau zwei Tage in Anspruch genommen. Weitere zwei Tage wären nötig gewesen, ehe das Gebläse den Rasen vom Eis befreit hätte. Aus Zeitmangel wurde diese Überlegung am Wochenanfang wieder verworfen. Nun richten sich die Hoffnungen auf die angekündigten Plusgrade. „Natürlich sind wir von der Entwicklung des Wetters abhängig. Bei der Prognose bin ich vorsichtig optimistisch. Wir rechnen mit Plusgraden bis zu acht Grad und auch nachts soll es keinen Frost geben“ , meint Uwe Birker, der als Geschäftsführer der Braunschweiger Stadthallen Betriebsgesellschaft GmbH der Hausherr im Stadion an der Hamburger Straße ist.
Ein Umzug in die VW-Arena zum ungeliebten Nachbarn VfL Wolfsburg scheint dagegen vom Tisch zu sein. Zumal die Deutsche Fußball-Liga (DFL) davon Abstand genommen hat, von der Eintracht die Benennung einer Ausweichspielstätte zu fordern. „Ein Umzug nach Wolfsburg ist zumindest für das Heimspiel gegen Energie Cottbus kein Thema“ , versichert Vereinssprecher Holger Neddermeier.
Auch in Dresden wird gegen die winterlichen Bedingungen gekämpft. Vier Heißluft- Geräte blasen bis zu 60 Grad heiße Luft in die Drainage unter dem tief gefrorenen Rasen im Harbig-Stadion. Auf diese Weise soll das Freitag-Spiel gegen 1860 München gerettet werden. Gestern berichtete der Verein stolz von einem „schon fortgeschrittenen Tauprozess“ . Dies habe eine „Probebohrung“ ergeben.
Dennoch ist das Tabellenbild durch den strengen Frost schon jetzt verzerrt. Energies Manager Ralf Lempke befürchtet deshalb irreguläre Bedingungen beim Kampf um den Auf- und gegen den Abstieg. „Je mehr Nachholspiele nötig sind, um so unterschiedlicher wird die Belastung für die einzelnen Mannschaften“ , erklärt Lempke. Er plädiert deshalb für eine Verpflichtung aller Profivereine, eine Rasenheizung in die Stadien einzubauen und sieht sich dabei im Einklang mit der DFL. Denn die bisher geltende Ausnahmeregelung für Zweitliga-Vereine soll ab der Saison 2006/07 gestrichen werden. „Ich kann verstehen, dass die Clubs lieber in neue Spieler als in eine Rasenheizung investieren“ , sagt Lempke. „Aber letztlich geht es darum, einen geordneten Spielbetrieb sicherzustellen. Und das ist derzeit nicht möglich.“ Vorerst bleibt jedoch nur das Warten auf mildere Temperaturen und die Platzkommission. Sie will heute Nachmittag in Braunschweig den Rasen in Augenschein nehmen.