Im Istanbuler Atatürk-Stadion soll sich heute (20 Uhr/ZDF) mit dem über Nacht fit gewordenen Top-Stürmer Lukas Podolski eine deutsche Elf präsentieren, die dem mit mehreren Bundesliga-Profis antretenden WM-Dritten von 2002 entschlossen Paroli bieten soll. "Wir haben großen Respekt vor den Türken. Aber wir konzentrieren uns auf unsere Stärken und wollen den nächsten Schritt zur WM machen - ganz einfach", verkündete Klinsmann.
Torhüter Oliver Kahn wird 14 Monate nach seiner Ablösung durch Bayern-Kollege Ballack bei seinem Kapitäns-Comeback eine Mannschaft aufs Feld führen, in der nach den Ausfällen von Ballack und Miroslav Klose nicht auch noch Podolski fehlen soll. Klinsmann gab gestern überraschend grünes Licht für den Einsatz des 20-jährigen Kölners, dessen Mitwirken wegen seiner Oberschenkel-Verletzung stark gefährdet erschien. "Wir haben ihn behutsam aufgebaut. Er ist vollkommen wiederhergestellt. Seinem Einsatz dürfte nichts im Wege stehen", sagte Klinsmann.
Auch bei der knapp 90-minütigen Schiffstour zwischen dem europäischen und asiatischen Teil Istanbuls war Podolski gestern mit an Bord. Auf Einladung von Klinsmann war auch Christoph Daum, der Trainer von Fenerbahce Istanbul, als Reiseführer dabei. Die deutschen Spieler genossen bei Sonne und leichten Wellengang mehr den Ausblick auf die Millionen-Metropole.
Podolski soll gemeinsam mit dem für Klose stürmenden Schalker Kevin Kuranyi da weiter machen, wo er zuletzt beim 4:2-Erfolg gegen Südafrika mit drei Treffern aufgehört hatte. Allerdings hat Kahn als "vordringliches Ziel" das Tore verhindern ausgegeben. Der Torhüter fordert, im drittletzten Länderspiel des Jahres "kompakt zu stehen und keine Gegentore zu bekommen". Das ist der DFB-Auswahl in den letzten zehn Länderspielen nur ein einziges Mal gelungen, im Juni beim 3:0 gegen Afrika-Meister Tunesien beim Confederations Cup. In den sechs Länderspielen seitdem gab es 14 Gegentore, was einen Schnitt von 2,3 Treffern pro Partie ergibt.
"So lange wir mehr Tore schießen als kassieren, ist das okay", beschwichtigte Team-Manager Oliver Bierhoff. Auch Klinsmann will gegen die Türken, die in der Startelf vermutlich in Hamit Altintop (Schalke), Halil Altintop (Kaiserslautern), Yildiray Bastürk (Hertha) und Alpay Özalan (Köln) gleich vier Bundesliga-Profis aufbieten werden, an seiner offensiven Spiel-Philosophie nicht rütteln. "Ein Torwart will am liebsten immer zu Null spielen, ein Stürmer dagegen will möglichst viele Tore schießen", erklärte der Bundestrainer, der sich auch von vermehrter Kritik an seiner WM-Marschroute nicht beirren lässt. "Wir können es nicht allen recht machen. Das ist auch gar nicht unser Wunsch und unsere Arbeit." Für die Abwehrarbeit dürften wie zuletzt gegen Südafrika erneut in der Viererkette die WM-Azubis Patrick Owomoyela, Luk as Sinkiewicz, Per Mertesacker und Marcell Jansen hauptverantwortlich sein. Das unerfahrene Quartett bringt es zusammen auf gerade einmal 84 Jahre und 27 Länderspiele. In der Abstimmung mit dem Mittelfeld erhofft sich Klinsmann Fortschritte. "Wir arbeiten in allen Bereichen."
Besonders gespannt ist Klinsmann darauf, ob und wie der Ausfall von Ballack kompensiert werden kann. "Wir wollen sehen, wer diesen Part übernehmen kann", sagte der 41-Jährige. "Wir erhoffen uns eine Reaktion der Mannschaft, wenn der Leader ausfällt." Beim 2:2 gegen Argentinien im vergangenen Februar hatte Torsten Frings den damals ebenfalls fehlenden Ballack "überragend" ersetzt, meinte Klinsmann.