Mike Göpfert erinnert sich an eine Szene, aus der Asahi zwar nicht als Sieger hervorgegangen ist, die aber trotzdem zu einem Schlüsselmoment dieser Saison geworden ist. „Unser Kämpfer Tomasz Domanski hatte vor einem Kampf extreme Zahnschmerzen und konnte nur mit einer Schmerztablette kämpfen. Die hätte sogar einen Elefanten umgehauen. Aber Tomasz biss sich durch und verlor seinen Kampf nur ganz knapp“, blickt der Asahi-Trainer zurück. „Da war mir eigentlich klar: Wenn wir alle an Bord haben und gesund sind, dann halten wir die Liga.“

Aus der Ahnung ist nun Gewissheit geworden. Die Saison in der Judo-Bundesliga ist vorbei und der KSC Asahi Spremberg hat erneut die Klasse gehalten – zum dritten Mal hintereinander. Für einen kleinen Verein aus der Lausitz ist das keineswegs selbstverständlich. Schon zu Beginn der Saison hatte Vereinschef Dirk Meyer vor dem Duell mit dem Deutschen Meister aus Hamburg angedeutet, wie es um die Kräfteverhältnisse in der Liga bestellt ist, als er sagte: „Die haben schon 10 000 Euro für ausländische Kämpfer hingelegt – und bei uns gibt‘s halt ne Bockwurst und ein Bier.“

Auch Mike Göpfert (42), der die Spremberger zusammen mit Michael Rex coacht, weiß um die Außenseiterrolle, die Asahi auch nach drei Jahren in der 1. Liga nach wie vor einnimmt. „Wer, der nicht aus der Region kommt, kannte denn Spremberg, bevor wir aufgestiegen sind?“, fragt Mike Göpfert. Zumindest auf der Judo-Landkarte hat sich Asahi nun aber einen Namen gemacht und auch Respekt verschafft, so ähnlich wie das legendäre Gallische Dorf im Römer-Imperium. „Wir sind kein Klub, der für die Finalrunde in Frage kommt. Wir haben nicht das Potenzial, wie es Potsdam mit seinem Bundesstützpunkt hat.“ Von daher sei alles, was über den Klassenerhalt hinausgehe, eine Zugabe. „Den Begriff Gallisches Dorf finde ich daher auch ganz passend“, grinst Göpfert und schiebt hinterher: „Und wenn ich an Asterix und Obelix denke, ist es ja auch immer gut ausgegangen für die Gallier.“

Genauso wie für das „Gallische Dorf“ aus Spremberg, das mindestens ein viertes Jahr weiter zuhauen darf im Oberhaus des deutschen Judos. Dabei liegt ein kniffliges drittes Bundesliga-Jahr hinter den Lausitzern, die schließlich bis zum letzten Kampftag warten mussten, ehe der Ligaverbleib feststand. Zwischen den beiden einzigen Saisonsiegen der Spremberger lagen sogar lange sechs Monate. Göpfert: „Ich hätte uns gerne noch weiter vorne gesehen. Aber vermutlich haben wir schon das Maximum aus der Saison herausgeholt.“ Mit Luc Meyer, Vincent Giller oder Tom Blechschmidt waren immer wieder wichtige Athleten ausgefallen. Trotzdem gab es am Ende ein Happy End dank des 11:3-Heimsieges gegen den direkten Konkurrenten Bayer Leverkusen. Daran konnte auch die Derby-Niederlage am finalen Kampftag vergangene Woche beim UJKC Potsdam nichts mehr ändern.

Drei Jahre am Stück in der Bundesliga zu bestehen, daran war noch nicht zu denken, als 2016 der Aufstieg gelang. „Doch wir haben der Liga zu verstehen gegeben, dass mit uns zu rechnen ist“, sagt Mike Göpfert. „Und es gehört mittlerweile auch zu unserem Selbstverständnis, dass wir in die 1. Liga gehören.“

Große Sprünge wird der Verein aber auch in Zukunft nicht machen können. Erfolge wie der Einzug in die Playoffs 2017 werden auch weiterhin eine Ausnahme bleiben in Spremberg. „Das Viertelfinale gegen den TSV Abensberg, das Bayern München des Judosports, steht für immer schwarz und fett in unserem Geschichtsbuch“, sagt Göpfert. „Aber wir wissen, wo wir herkommen. Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, mit jungen Leuten zu arbeiten und ihnen den nächsten Entwicklungsschritt zu ermöglichen. Das liegt auch mir als Trainer am Herzen. Wir haben einen richtig guten Weg eingeschlagen.“ Und von dem lassen sich die Spremberger nicht so schnell abbringen. Auch von Zahnschmerzen nicht.