Nach neun Jahren Turnierpause ist Schlussmann Johannes Bitter einer der Leistungsträger der deutschen Mannschaft. Wir unterhielten uns mit dem 39-Jährigen.

Herr Bitter, nach neun Jahren ohne großes Turnier geht es mit der Nationalmannschaft wieder auf große Reise. Wie fühlt sich das an?

Ich freue mich tierisch drauf. Tasche packen für drei, vier Wochen – das ist keine Belastung. Im Gegenteil, das ist Belohnung. Ich freue mich über jedes Teil, das ich einpacke. Und ich hoffe, dass es ein cooler Januar wird. Ich bin voller Vorfreude auf die auf die EM.

Nach neun Jahren Turnierpause klingt das fast ein bisschen wie vorm ersten Mal ...

Es ist eine spannende Mischung aus Zurückkommen, aber irgendwie auch alles neu. Es fühlt sich definitiv nicht so an, als ob ich schon 140 Länderspiele gemacht hätte. Ich habe zehn, elf große Turniere gespielt, die sind aber alle schon lange her. Es wird spannend. Die Mannschaft hat sich komplett verändert, das Drumherum hat sich verändert, und auch die Weltspitze hat sich ein bisschen verändert – das wird mega spannend.

Und Ihre Kinder, wegen der Sie 2011 zurückgetreten waren, freuen sich wahrscheinlich mit Ihnen ...

Absolut. Ich musste das natürlich erklären, weil sie das so noch nicht miterlebt haben. Sie kennen all die alten Geschichten, im Trikot haben mich aber noch nicht alle drei Jungs erlebt. Jetzt freuen sie sich auf die Spiele und sind immer up to date.

Neu ist das Torhütergespann mit Andreas Wolff. Hatten Sie schon Kontakt?

Ja, wir haben vor Weihnachten gequatscht. Es war sehr nett, wir kennen uns ja auch schon seit Jahren als Gegner aus der Bundesliga. Ich denke, dass die Konstellation funktionieren wird.

Eine klare Hierarchie wird es  bei der EM wohl nicht geben. Erheben Sie Ansprüche?

Ich habe mich in meiner Nationalmannschaftskarriere nie als klare Nummer eins oder zwei gefühlt. Wenn der Andi jetzt überragend hält und jedes Spiel
20 Bälle abwehrt, dann bin ich der Letzte, der sich grämt, sondern bin der Erste, der auf der Bank steht und ihn feiert. Darauf wird es ankommen.

Es gab im Vorfeld einige verletzungsbedingte Absagen. Wie schätzen Sie die deutsche Mannschaft ein?

Absagen sind nie cool. Es sind Leute, die Qualität haben. Aber damit dürfen wir uns nicht beschäftigen. Wir haben so viele gute Handballer, die alle für die Nationalmannschaft spielen können und wollen. Unser Kader ist gut, in Teilen sogar sehr gut.

Ist eine Medaille möglich?

Ja. Wir haben absolut das Potenzial.

Sind die Olympischen Spiele im Sommer ein Ziel von Ihnen?

Es wäre gelogen zu sagen, ich hätte das nicht im Hinterkopf. Vor allem haben wir im Kopf, dass der Europameister sich direkt für die Olympischen Spiele qualifiziert. Aktuell hat das aber noch keinen Stellenwert.