Pal Dardai kennt das Hochgefühl, wenn man die großen Bayern schlägt. Als etwas "ganze Besonderes" beschrieb der Trainer des Überraschungsteams Hertha BSC jenen Moment im kalten Februar 2009, als ein gewisser Andrej Woronin dem Berliner Fußball-Bundesligisten mit zwei Toren den bislang letzten Sieg gegen den deutschen Rekordmeister (2:1) beschert hatte. "Wir waren danach mit Andrej, dessen Frau und meiner Frau unterwegs", berichtete Dardai, der damalige Profi, von einer anschließenden Berliner Partynacht.

Dabei war Dardai nach einer Knieoperation auf Wunsch des damaligen Coaches Lucien Favre gegen Bayern viel zu zeitig wieder in die Startelf zurückgekehrt. "Nach 60 Minuten habe ich gesagt, wie lange noch? Ich schaffe es nicht mehr", berichtete Dardai. Genaueres über die Feierlichkeiten, etwa die Anzahl der konsumierten Rotweinflaschen, plauderte der Ungar dann nicht mehr aus.

Dass Hertha nach dem erneuten Versuch, den übermächtigen Bayern ein Bein zu stellen, wieder in Feierlaune kommen könnte, scheint selbst als Tabellen-Vierter unwahrscheinlich. "Das war ein Heimspiel", bemerkte Dardai zum 2:1 vor sechseinhalb Jahren, "da hat man mehr Chancen". Aber, so der Berliner Trainer, auch in der Höhle der Guardiola-Löwen werde man es am Samstag (15.30 Uhr) schon "irgendwie hinkriegen, dass es gut aussieht".

Ex-Bayer Weiser nicht dabei

Dafür packt Hertha am 14. Spieltag der Fußball-Bundesliga den "Bunkerfußball" aus, so Dardai, mit nadelstichartigen Offensiveinlagen. Jeder muss bereit sein zu helfen", betonte der 39-Jährige. Der Ungar sagt ein intensives Spiel voraus: "Wir werden auch unsere Phasen haben, in denen wir dann Fußballspielen müssen." Verzichten muss Dardai definitiv auf den verletzten Mitchell Weiser, der für das Spiel nicht in den 18-köpfigen Kader berufen wurde.

Der letzte Punktgewinn in München gelang Hertha im August 2004 (1:1) - mit Mittelfeld-Arbeiter Dardai als Torvorbereiter. Der letzte Auswärtssieg bei den Bayern liegt sage und schreibe 38 Jahre zurück, im Oktober 1977 hatte klein Pal im ungarischen Pécs gerade das Laufen gelernt.

Nun will Dardai als Trainer mit seiner stabilisierten Hertha das Team des großen Kollegen Pep Guardiola ärgern. "Wir werden es versuchen, ob es gelingt, kann ich nicht sagen", bemerkte Manager Michael Preetz: "Da muss viel zusammenkommen."

Die Bayern verteilen zumindest schon einmal kräftig Komplimente an den Kontrahenten. "Sie haben eine geschlossene Mannschaft, verteidigen zusammen, was immer sehr wichtig ist, dass man wenige Gegentore bekommt", betonte Bayern-Kapitän Philipp Lahm. "Und dann merkt man auch, dass das Miteinander - vom Trainer gesteuert - ganz gut funktioniert bei der Hertha in Berlin", sagte Ausnahme-Torwart Manuel Neuer. Er warnte: "Die können gut in der Defensive spielen und haben vorn mit Kalou einen Mann, der die Bälle halten kann." Am erneuten Sieg aber haben die Münchner keine Zweifel.

Zum Thema:
Der FC Bayern München hat in der Vorbereitung auf das Heimspiel gegen Hertha BSC zeitweilig auf Trainer Pep Guardiola verzichten müssen. Wegen des Todes einer Cousine war der Spanier am Freitagmorgen kurzfristig in die Heimat geflogen. Nach Angaben des deutschen Fußball-Rekordmeisters wurde der Coach am Freitagabend zurückerwartet. Die Leitung des Abschlusstrainings lag in den Händen von Co-Trainer Domenec Torrent.