Ohne den US-amerikanischen Deutschland-Tour-Sieger Levi Leipheimer bestreitet das Team Gerolsteiner seine Premiere bei der Spanien-Rundfahrt. Unter den neun nominierten Radprofis befinden sich dagegen die Nachwuchsfahrer Matthias Ruß und Heinrich Haussler. Reimund Dietzen will die Erwartungshaltung an seine Rennfahrer nicht über Gebühr in die Höhe schrauben. Gerade für die beiden Youngster formuliert er realistische Vorgaben. „Die Jungs sollen etwas probieren und vor allem viel lernen“ , sagt der Sportliche Leiter der Gerolsteiner bei der 60. Auflage der Vuelta. Wenngleich der Trierer ergänzt: „Ich verspreche mir von den beiden schon etwas.“ Dietzen weiß nur zu gut, dass die beiden 21-Jährigen mit ihrer Unbekümmertheit und ihrer forschen Fahrweise vielleicht für eine vordere Etappenplatzierung gut sind. Besonders Heinrich Haussler, der mit Flandern-Rundfahrt, Paris - Roubaix, Amstel Gold Race (alle beendet) und HEW Cyclassics (Sturz kurz vor dem Ziel) bereits vier strapaziöse Klassiker bestritten hat, könnte für eine kleine Überraschung gut sein.
Top-Sprinter Erik Zabel führt das neun Fahrer starke T-Mobile Team bei an. Der dreimalige Sieger des blauen Punktetrikots bei der Spanien-Tour wird ebenfalls von zwei Youngstern begleitet: Marcus Burghardt und der Österreicher Bernhard Kohl feiern ihr Debüt bei der dritten großen Landesrundfahrt im ProTour-Zirkus. „Marcus soll weiter ProTour-Luft schnuppern. Er hat alle taktischen Freiheiten“ , sagt Frans van Looy, der gemeinsam mit dem Italiener Giovanni Fidanza das Bonner Team auf der iberischen Halbinsel begleiten wird. „Er soll weiter seine Erfahrungen sammeln und unsere Kapitäne unterstützen. Bei einer so großen Veranstaltung mitzufahren, ist für einen jungen Fahrer etwas ganz Besonderes.“ Der 22 Jahre alte Burghardt hatte bereits im Frühjahr seine Wettkampfhärte unter Beweis gestellt.
Auf das Gesamtklassement haben indes die beiden Spanier im Bonner Team ein Auge geworfen: Lokalmatador Paco Lara ist ebenso kletterstark und wie Tour-Teilnehmer Oscar Sevilla, der bei seiner Heimat-Rundfahrt bereits je einmal Gesamtzweiter und -vierter war. Vor allem die bergfesten Spanier im Feld wie Francisco Mancebo (Illes Balears), Carlos Sastre (CSC) und Vorjahressieger Roberto Heras (Liberty Seguros) sowie der Russe Denis Menchov (Illes Balears) werden im Kampf um das Goldene Trikot ein Wörtchen mitreden. 2004 schafften lediglich drei Nicht-Spanier den Sprung in die Top 25.
Die Vuelta-Teilnehmer müssen sich auf eine harte Kletterpartie einstellen: Den Fahrern der 20 ProTour-Teams sowie der beiden mit einer Wild-Card ausgestatteten einheimischen Mannschaften Comunidad Valenciana und Relax stehen insgesamt 47 Bergwertungen bevor, davon vier der höchsten und je elf der ersten und zweiten Kategorie. Das „Dach der Vuelta“ wird auf der zehnten Etappe erreicht, bei der es hinauf zur 2230 Meter hoch gelegenen Skistation Ordino-Arcalis in Andorra geht. (ddp/pm/tus)