Das war zum Abschied noch einmal ganz großer Steher-Sport: Der Schweizer Giuseppe Atzeni hat sich standesgemäß mit einem Sieg vom Publikum in Forst verabschiedet. In seinem letzten Rennen in der Lausitz setzte sich der 41-Jährige beim Großen Pfingstpreis der Steher vor Reinier Honig (Niederlande) und dem gebürtigen Forster Stefan Schäfer durch. „Mit dem heimischen Publikum ist es immer extrem schön, die Unterstützung ist großartig“, sagte Schäfer.

Der ebenfalls aus der Rosenstadt stammende Europameister Franz Schiewer verpasste diesmal das Podium relativ deutlich und haderte ein wenig mit dem „sehr großen Druck“ des Europameister-Trikots: „Das Trikot bedeutet, dass man der Gejagte ist.“

Im Finale über 100 Runden machte Schiewer zwar im Verlauf des Rennens viel Boden gut, konnte aber letztlich nicht mehr in die Entscheidung eingreifen. Die lange Zeit vom Niederländer Reinier Honig angeführten Topfahrer waren schon zu weit enteilt.

Der finale Abschnitt des langen Radsport-Nachmittags stand ganz im Zeichen von Giuseppe Atzeni. Der Schweizer hatte sich spätestens mit dem Gewinn des EM-Titels im Jahr 2009 in die Herzen der Lausitzer Fans gefahren. Bereits bei seiner emotionalen Verabschiedung vor dem Finale flossen die Tränen. Seine Gefühle beim Abschied in Forst fasste die scheidende Steher-Legende unter dem Beifall der Zuschauer mit einem einzigen Wort zusammen: „Danke.“

Beim Derny-Cup am Samstag in der Forster Innenstadt hatte sich Franz Schiewer dagegen den Gesamtsieg durch einen Erfolg im zweiten der beiden Läufe geholt. Während die Fahrer beim Steherrennen hinter dem Motorrad an einer Rolle fahren, gilt es beim Derny-Cup, möglichst nah am Schutzblech des Mopeds – dem Derny – zu bleiben.

Auf dem Kopfsteinpflaster-Kurs siegte Schiewer vor Reinier Honig, Stefan Schäfer und Giuseppe Atzeni. Daniel Harnisch, der den ersten Lauf für sich entscheiden konnte, musste sich am Ende mit Gesamtrang begnügen. Insgesamt 2500 Zuschauer verfolgten an beiden Tagen die Radsport-Veranstaltungen in Forst.

Der Brandenburger Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) blickte in seiner launigen Ansprache am Pfingstsonntag schon voraus in die Zukunft der 400 Meter langen Betonbahn. „Liebe Nachbarinnen, liebe Nachbarn, es ist diesmal ein ganz besonders Rennen. Wenn alles gut läuft, könnte 2020 die Sanierung der Bahn beginnen“, erklärte Woidke bei seinem Heimspiel in Forst.

Die Forster Bahn soll mit Fördermitteln des Bundes in Höhe von 2,6 Millionen Euro modernisiert werden. Geplant sind der Abriss und die Erneuerung des Fahrbahnbelages, der Bau einer neuen Bahn­begrenzung sowie später dann noch die Errichtung eines neuen Sportgebäudes. Der genaue Zeitplan ist jedoch noch offen. Die Im Jahr 1906 eröffnete Betonbahn wurde letztmals von 1992 bis 1994 saniert.

Bildergalerie 09.06.2019, Brandenburg, Forst: 9. Großer Pfingstpreis der Steher: Schrittmacher Gerd Gessler mit Nazier Jaser.Foto: Frank Hammerschmidt

9. Dernycup in der Rosenstadt Guiseppe Atzeni sagt „Tschüss, Forst!“

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